08. März 2021 – Klartext Runge auch auf der Zielgeraden. Das ist Haltung.

Diese Zeilen schreibe ich am 8. März, dem Weltfrauentag. Alle Jahre wieder wird Anfang März das Thema Gleichberechtigung von den Medien aufgegriffen, die Historie bemüht und in den Parlamenten das Thema Gleichberechtigung diskutiert. Gleichstellung ist aber mehr als eine Momentaufnahme, eine Werbekampagne oder ein gutklingendes Ziel in Strategiepapieren. Gleichstellung ist eine Haltung.

Ein Blick auf die Politik in Oberursel zeigt: Ich bin die alleinige Frau unter den acht Bewerbern um das Amt des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin und wäre die erste Bürgermeisterin in Oberursel. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen bei den Bewerber*innen für die Stadtverordnetenversammlung gar nicht so schlecht aus: 44 Prozent oder 83 von 180 der Namen auf der Wahlliste sind die von Frauen. Beim genaueren Hinschauen kippt das Bild. Unter den acht Parteien, die sich zur Wahl stellen, sind drei Parteien, die maximal auf ein Viertel Frauen kommen. Von den derzeit 45 Stadtverordneten sind 17 Frauen oder 38 Prozent. Die Posten der Stadträte in Oberursel sowie die Geschäftsführungen der Eigenbetriebe sind zudem in männlichen Händen.

Ich bin überzeugt davon, dass ein Miteinander auf Augenhöhe nicht nur ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Wirtschaft oder in Verwaltungen ist, sondern auch die Voraussetzung für wirkliche Gleichberechtigung im Alltag. Gemischte Teams stehen für Erfolg, denn Diversität ist Bereicherung. Chancengleichheit ist zugleich ein kontinuierliches Thema, es hat kein Verfallsdatum. Quoten, egal welcher Art, können durchaus helfen, sind aus meiner Sicht aber immer nur ein Werkzeug von vielen. Echte Chancengleichheit ist mehr. Diese beginnt u.a. mit der Bereitstellung ausreichender und bezahlbarer Kita-Plätze von der Kleinkindbetreuung über den Kindergarten bis zum Hort. Mit ausreichenden Betreuungszeiten. Wo immer möglich gilt es zudem, über flexible Arbeitszeitmodelle nachzudenken und diese einzuführen. Das gibt allen Eltern die Chance, sich beruflich oder gesellschaftlich zu engagieren, wenn sie es wollen. Genau das hat sich heute früh bei meinen Überraschungsbesuchen gemeinsam mit anderen Frauen vor den Oberurseler Kitas im Gespräch mit vielen Eltern erneut bestätigt. Wir brauchen Haltung statt Symbolpolitik. Dafür stehe ich, nicht nur bei diesem Thema.

Der Wahltermin rückt näher. Nur noch wenige Tage dann wissen wir alle, wie die Bürgerinnen und Bürger in Oberursel entschieden haben. Die Spannung nimmt jetzt auf der Zielgeraden zu. Gerüchte an der einen oder anderen Stelle aber offensichtlich auch. Daher hier in meiner ganz persönlichen Rückschau auf die zurückliegenden beiden Wochen gleich zu Beginn eine deutliche Klarstellung: Der Bau eines neuen Frankfurter Stadtteils jenseits der A5 ist für mich ein Tabu. Das war schon immer so, denn ein Heranwachsen Frankfurts bis an Steinbach oder Oberursel würde unsere Städte verändern. Das möchte ich nicht, da die polyzentrische Struktur ein wichtiges Qualitätsmerkmal im Rhein-Main-Gebiet ist und wesentlich zu unserer Identifikation beiträgt. Wir brauchen keine Versiegelung des Ackerbodens zwischen Weißkirchen und Frankfurt. Die Landwirtschaft muss erhalten bleiben, denn Landschaft und Natur haben eine besondere Bedeutung für die Naherholung und den Klimaschutz. Das sehe ich so, dass sieht die SPD in Oberursel so. Punkt. Das gilt auch für die künftige Stadtentwicklung. Es kommt nicht darauf an, ob wir bauen, sondern ganz klar WO, WIE UND FÜR WEN. Ich setze mich für ein bezahlbares Zuhause ein, damit auch in Zukunft alle Menschen in Oberursel wohnen können. Dabei ist mir eine Trendwende in der Wohnungsbaupolitik wichtig, denn es gilt die entsprechende Infrastruktur wie beispielsweise Verkehrsanbindung, Kita-Plätze, Nahversorgung und vor allem auch den Klimaschutz mitzudenken. Begrünungsflächen oder Photovoltaik sind da nur zwei Stichworte. Es gilt zugleich an neue Wohnformen, Belegungsrechte und vor allem auch an Barrierefreiheit zu denken. Es gibt Menschen mit Behinderungen, die sich in Zukunft auch in Oberursel das Wohnen, das Leben leisten können müssen, unabhängig davon ob dies in den eigenen vier Wänden oder in betreuten Wohngruppen geschieht. Klartext ist mir wichtig, auch wenn das mitunter unbequem ist. Aber konkrete Antworten zu geben, Lösungen anzubieten, vor allem aber Rückgrat zu zeigen ist für mich eine Frage der Haltung. In der Politik genauso wie in der Gesellschaft, im beruflichen Alltag genauso wie im Privaten.

Für mich war es daher kürzlich auch selbstverständlich, als Mitglied dem Aufruf des Vereins Kunstgriff e.V. zu folgen und demonstrativ und mit entsprechendem Abstand ein Gegengewicht zum Autokorso der Corona-Leugner zu bilden. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, dass muss auch so bleiben, aber kruden Verschwörungstheorien muss man Einhalt gebieten und diesen sowohl mit Fakten als auch mit phantasievollem Protest entgegentreten. Auch das ist Haltung. Jedenfalls für mich.

Aktiver Umwelt- und Klimaschutz hat viel mit Haltung zu tun, öffentlich politisch und ganz privat. Fridays vor Future hat mir nach der Auswertung des ausgefüllten Fragebogens 9 von 10 Punkten erteilt. Bin ich damit zufrieden, oder eher nicht? Habe ich den Klimaschutz ausreichend im Blick? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Klimaschutz jetzt und in Zukunft bei allen Themenfeldern mitdenken müssen, denn aktiver Klimaschutz und die notwenige Nachhaltigkeit betrifft alle Lebensbereiche: Grünflächen und Landwirtschaft, Wirtschaftsförderung oder den Verkehr genauso wie das Wohnen, die Bildung und die eigene Lebensweise. Für einen wirksamen Klimaschutz brauchen wir kommunale Netzwerke und Beratungsangebote, den interkommunalen Schulterschluss sowohl in Richtung Taunusgemeinden als auch nach Frankfurt und die enge Zusammenarbeit der Kommune mit dem Land. Es gilt dabei alle Menschen mitzunehmen, denn nachhaltiges Verhalten im Alltag darf keine Frage des Einkommens sein. Ökostrom sollte daher nicht teurer als herkömmlich erzeugter Strom sein. Gesundes Schul- oder Kindergartenessen aus regionalem Anbau muss für alle Familien bezahlbar sein. Zwei Fahrten mit dem Bus in Oberursel dürfen nicht teurer sein als ein Parkticket für zwei Stunden im Parkhaus. Hier sehe ich Handlungsbedarf. Ich möchte zudem eine zentrale städtische Anlaufstelle für die Nutzung von Solarenergie schaffen, die u.a. individuelle Photovoltaik-Checks inklusive Fördermittelberatung für Bürger und Unternehmen anbietet. Bei der Umsetzung setze ich auf eine enge Zusammenarbeit mit örtlichen Handwerkern. Und ich werde ein Programm für die Aufwertung von Grünflächen, Blühstreifen, Streuobstwiesen und Biotopen als Lebensraum für Tiere und den Erhalt der Artenvielfalt starten. Das allein wird nicht reichen: Oberursel muss insgesamt klimaneutral werden, möglichst bis 2035. Macht mich die Fridays-for-Future-Bewertung also zufrieden? Ja, das tut sie, denn sie ist ein realistischer Spiegel dessen, was ich für umsetzbar halte. Danke daher an die jungen Aktivist*innen und vor allem Respekt für das Engagement, nicht nur in Wahlkampfzeiten. Auch gesellschaftliches Engagement, egal auf welchen Feldern, zeugt von Haltung.

Haltung ist auch, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ich möchte Sie daher alle noch einmal aufrufen, gehen Sie wählen, egal ob Sie schon immer in Oberursel gelebt haben oder neu zugezogen sind und hier Ihre Wahlheimat gefunden haben. Das gilt für alle Mitbürger und Mitbürgerinnen mit deutschem Pass genauso wie alle hier lebenden EU-Bürger. Oberursel ist eine weltoffene Stadt und lebt vom Miteinander der verschiedenen Nationen. Wir können unsere Stadt gemeinsam gestalten, denn wir alle sind Oberursel. Mit fremdsprachigen Flyern mache ich momentan verschiedene Nationen auf nicht alltägliche Art und Weise auf die Kommunalwahl und den Wahltermin am 14. März aufmerksam. Eine Aktion, die mir eine Herzensangelegenheit ist, denn durch meine berufliche Tätigkeit im Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt erlebe ich Vielfalt täglich als bereichernd. Vielfalt und Gleichberechtigung liegen mir daher am Herzen. Auch das ist eine Haltungsfrage für mich.

Wie verhält es sich mit der Beteiligung der Jugend? Ich habe junge Menschen vor allem dort aufgesucht, wo sie sich treffen. Daher weiß ich, dass Plätze, die eigenverantwortlich erdacht, gestaltet und genutzt werden, auf der Wunschliste ganz oben stehen. Es gibt solche Plätze zum Teil bereits, wie beispielsweise die Skater-Bahn in Stierstadt oder die entstehende Dirt-Bike-Bahn. Aber wir benötigen mehr Treffpunkte, in allen Stadtteilen und auch in der Innenstadt. Ich kann mir daher zunächst die Ausgestaltung der Bleiche zu einem Basketballplatz mit einfachen Mitteln unter Verantwortung der Jugendlichen gut vorstellen. Genau wie selbstverwaltete Gärten beispielsweise in Bommersheim und der Atzelhöhl. Sich einbringen, Verantwortung zu übernehmen zeugt von Haltung, diese Eigeninitiative auch zuzulassen genauso.

Und sonst? Jetzt auf der Zielgeraden habe ich selbstverständlich noch einmal die letzten Monate rekapituliert: die zahlreichen Begegnungen und Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern – egal ob persönlich oder virtuell -, das parteiübergreifende Feedback auf meine Kandidatur, mein Programm und meine wichtigsten Vorhaben, die Impulse bei meinen über 100 Besuchen in Unternehmen, bei Einzelhändlern, Vereinen, in Pflege- oder Altenheimen haben mich darin bestärkt, dass es sich lohnt, für die Teilhabe aller – unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht – in einem wirtschaftlich starken, lebenswerten Oberursel zu streiten und Mehrheiten zu suchen. Zuspruch aber auch konstruktive Kritik waren und sind für mich persönlich sehr hilfreich. Die vielen sehr positiven Rückmeldungen stimmen mich dabei sehr zuversichtlich.

Und bei allem Wahlkampfstress hatte ich in der zurückliegenden Woche auch endlich wieder Zeit, Freunde draußen zu treffen, beim Spazierengehen oder Radfahren. So oder so taten die Gespräche gut, denn Familie und Freunde erden. Das ist gut so und wird auch so bleiben. Das ist meine Haltung.

Und wenn Sie in Ihrer Wahlentscheidung noch unsicher sind, biete ich Ihnen selbstverständlich weiterhin gern das direkte Gespräch an. Melden Sie sich einfach per Mail unter antjerunge21@nullgmail.com bei mir oder rufen Sie mich unter 0178 346 50 37 an. Bei Briefwahl müssen die Briefwahlunterlagen als Wahlbrief verpackt bis spätestens 14. März um 18:00 Uhr im Rathaus eingegangen sein. Wenn Sie einen Fahrservice zum Rathaus benötigen, melden Sie sich bitte ebenfalls gerne. Nutzen Sie die Chance, denn nur so können Sie die Geschicke Oberursels mitbestimmen. Unter dem Motto MIT MIR REGIERT DAS WIR möchte ich die Zukunft unserer Stadt mit Ihnen gemeinsam gestalten. Das ist ein Versprechen auf die Zukunft, denn Transparenz und Bürgerbeteiligung sind für mich keine Momentaufnahme, sondern eine Haltungsfrage.

Herzlichst Ihre

Antje Runge