Gelungener Auftakt der Stadtradeln-Touren

Gewerbeansiedlungen sowie Wohnungsbau in Oberursel gestern und heute – Lebendige Diskussion mit  30 Teilnehmern der Tour bei zahlreichen Zwischenstopps – Unternehmergespräch bei Barth Galvanik

Am vergangenen Mittwoch (09.09.) hatte ich im Rahmen des aktuell laufenden Aktionszeitraumes „Stadtradeln 2020“ zu einer geführten Radtour durch unterschiedliche Gewerbe- und Wohngebiete Oberursels eingeladen. Insgesamt 30 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Sie konnten sich während der knapp dreistündigen Tour mit einigen Zwischenstopps und Diskussionsmöglichkeiten einen Eindruck über den Wandel bei Wohnungs- und Gewerbeansiedlungen der zurückliegenden Jahrzehnte, den aktuellen Herausforderungen und den Ideen der Bürgermeisterkandidatin zur Stadtentwicklung verschaffen. Angesteuert wurde das Taunusinformationszentrum an der Hohemark, das Rosengärtchen und das Camp King sowie verschiedene Plätze entlang der Hohemarkstraße. Zum Abschluss empfingen Peter Dietz, Geschäftsführer Barth Galvanik GmbH, und die kaufmännische Leiterin Melanie Dietz die Gruppe und berichteten über die Herausforderungen, vor denen das produzierende Gewerbe in Oberursel heutzutage steht.

„Ziel der Tour war es, gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen verschiedene Quartiere in Oberursel aus einer nicht alltäglichen Perspektive zu erleben, dynamische Veränderungen bei der Ansiedlung von Gewerbe sowie beim Wohnungsbau sichtbar zu machen und gemeinsam darüber zu diskutieren, in welcher Form und unter welchen Bedingungen künftig Raum für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen in Oberursel gesehen wird.“Dabei wurde deutlich, dass sich sowohl Wohnformen als auch die Art der Gewerbeansiedlungen immer gewandelt haben. Nach meiner Ansicht werden beide Themen die Stadtentwicklung auch in den kommenden Jahren mitprägen, deutlich stärker als in der Vergangenheit müsse dabei aber auf das notwendige Mitwachsen der Infrastruktur – von den Kitas, über einen funktionierenden Einzelhandel und ärztlichen Strukturen bis zum ÖPNV – geachtet werden. „Es kommt darauf an, für wen und wie wir bauen!“ „Bei einer modernen, in die Zukunft gerichteten Stadtentwicklung geht es darum, sowohl visionär als auch konkret die Frage zu beantworten, wie Wirtschaft und Soziales, also produzierendes Gewerbe, neue Dienstleister, Tourismus, die Gewinnung von Arbeitskräften und attraktives, bezahlbares Wohnen inklusive Infrastruktur für Oberursel miteinander in Einklang gebracht werden können.“Daher schließen sich in ihrem Wahlprogramm die Themen Wirtschaft & Finanzen sowie Wohnen & Mobilität auch nicht aus, sondern stehen gleichberechtigt nebeneinander.“

Die Radtour begann an der Endhaltestelle der U3 an der Hohemark. Etwa dort, wo heute das Taunusinformationszentrum steht, befand sich von 1860 – 1910 eine Spinnerei, die als Grundlage für ihren Betrieb Wasserkraft aus einer Mühle nutzte, wie Touren-Guide Stefan Böhm-Ott zu Beginn erläuterte. Die U3 wurde ursprünglich als „Gebirgsbahn“ für den frühen Nahtourismus gebaut. Über die Gleisanlagen wurde bis in die frühen 1980er Jahre Werksverkehr für die Motorenfabrik Oberursel, heute Rolls-Royce, abgewickelt. Heute ist die U3 als wichtiges Verkehrsmittel, insbesondere für das in der ersten Hälfte der siebziger Jahre fertiggestellte Rosengärtchen, nicht mehr wegzudenken. Sichtbares Zeichen für unterschiedliche Nutzungen und städtebauliche Entwicklungen bis heute ist das Gelände des Camp King. Hier und an verschiedenen Stopps in der Hohemarkstraße wurde intensiv über die Stadtplanung der Zukunft diskutiert. Wie sinnvoll ist innerstädtische Nachverdichtung, wieviel Ausdehnung im Außenbereich verträgt eine Stadt? Welcher Gewerbemix ist vorhanden, was muss hinzukommen?

Kontrovers betrachtet wurden diese Themen insbesondere am Neubau an Jandorfs ehemaliger Fabrik. „Nachverdichtung ist ein komplexes Thema. Dass wir Wohnbebauung brauchen, ist weitgehend unstrittig. Grundsätzlich gilt für mich, dass in Innenstadtlagen das Wohnen, vor allem direkt am ÖPNV Vorrang hat, großflächige Gewerbeansiedlungen dann im Außenbereich.“ Fallen jedoch bisherige innerstädtische Gewerbeansiedlungen durch Wohnungsbau weg, dann ist nach meiner Ansicht zwingend eine entsprechende Kompensation an anderer Stelle für das Gewerbe erforderlich.

Wie wichtig eine gesamthafte Betrachtung ist, wurde auch beim abschließenden Besuch in der Produktion von Barth Galvanik sichtbar. Das mittelständische Unternehmen mit rund 130 Mitarbeitern ist an mehreren Standorten in Oberursel tätig, besitzt zudem ein eigenes Wasserkraftwerk in Frankfurt am Main. Aus Brauchwasser wird dort ökologisch sinnvoll das gesamte Wasser für das Unternehmen gewonnen. Nach Ansicht des Geschäftsführers Peter Dietz ist es heutzutage schwierig, produzierendes Gewerbe in der Nähe von Wohngebieten zu betreiben. Aber es müsse sich nicht ausschließen, wenn die nötige Transparenz und gegenseitiges Vertrauen da sind. Schwierig sei es auch, entsprechend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Daher habe sich Barth Galvanik entschlossen, selbst zu bauen, um dadurch preiswerte Wohnungen anbieten zu können. Dies könne nach meiner Ansicht auch ein Weg der Stadtverwaltung sein, Belegungsrechte im Wohnungsbau zu sichern, um damit beispielsweise dem Arbeitskräftemangel an Erziehern und Erzieherinnen rechtzeitig entgegen zu wirken.

Mein Fazit nach drei Stunden Radtour, vielen Informationen und kontroversen Diskussionen: „Es lohnt sich immer wieder den intensiven Austausch sowohl mit Bürgerinnen und Bürgern als auch mit Unternehmen zu suchen, um Oberursel als lebenswerte Stadt mit einer starken Wirtschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ Die nächste Radtour startet am 19. September um 15:00 Uhr am Bahnhof Oberursel und führt bei einer 30 Kilometer-Tour durch alle Oberurseler Stadtteile (um Anmeldung wird gebeten).