Zu Gast beim Macondo Talk

„Wir fragen nach“ ist der Leitsatz der Veranstaltungsreihe „Macondo Talk“, die sich der Besitzer des Macondo, Stefano Scarlatti, und der Fotograf Willi Mulfinger ausgedacht haben. Sie haben mir als Oberurseler Bürgermeisterkandidatin die Chance gegeben, in einem lockeren Gespräch und begleitet von LAURIDS Musikeinlagen meine Vorstellungen zum Thema Kultur in Oberursel zu präsentieren, und alle, die sich für Kultur interessieren, waren eingeladen, nachzufragen.

Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung mit dem Hinweis, dass ich seit mehr als zwanzig Jahren in verantwortlicher Position im Bereich Kultur bei der Stadt Frankfurt tätig bin, zuerst im Kulturdezernat und dann als Stabstellenleiterin „Kulturelle Bildung“, weiterhin aktives Mitglied verschiedener Kulturvereine bin und vor zwei Jahren ein Künstlernetzwerk in Oberursel gegründet habe, ging es direkt in die Diskussion. Ich stand Rede und Antwort zu einem ganzen Kaleidoskop von Themen und Fragen, die von anwesenden Künstlern,  Kulturschaffenden und kulturinteressierten Bürgern an mich herangetragen wurden.

Kultur ist der Kitt der Gesellschaft

Kultur ist für mich der Kitt der Gesellschaft, denn sie verbindet Menschen und schafft Gemeinschaftserlebnisse. Wichtig ist, dass sie für alle Oberurseler zugänglich und bezahlbar ist und alle Bürger teilhaben können.

In Oberursel gibt es eine sehr lebendige, vielfältige Kreativszene mit Künstlern, Vereinen wie Kunstgriff oder Kulturkreis und Kulturorten wie der Alten Wache oder dem Macondo mit Live-Musik und Ausstellungen, bei denen sich Kunstgenuss und Freundetreffen verbinden lassen. Hinzu kommen zahlreiche Vereine, die Kultur und Tradition verbinden.

Beim Thema Haushaltskürzungen, steht häufig zuerst die Kunst als freiwillige Leistung auf dem Spiel. Ich kenne die künstlerische Perspektive, bzw. die der Kulturschaffenden, da ich regelmäßig bei den Haushaltsverhandlungen die Kultur vertreten habe. Allerdings sind Finanzen und Kultur für mich kein Widerspruch, denn es gibt Lösungen, die beides miteinander verbinden. So habe ich in Frankfurt die erfolgreichste Kulturkarte im deutschsprachigen Raum, die MuseumsuferCard als Jahreskarte der Museen, konzipiert oder die Nacht der Museen als niederschwelliges Kulturevent über 15 Jahre als Projektleiterin organisiert – beides Projekte, die wirtschaftlich erfolgreich sind. Auch in Oberursel sind wirtschaftlich tragfähige Lösungen mit einem frischen Blick möglich, eine Kleinkunstbühne könnte beispielsweise über eine Kulturgenossenschaft tragfähig sein. Wir brauchen ein finanzstarkes Oberursel, damit wir uns ein kreatives Oberursel leisten können. Ich verstehe mich als Impulsgeberin und möchte neue Wege gehen.

Kultur braucht Raum

Die Malerin Birgit Morgenstern wünschte sich für die Zukunft eine bessere, effektive Organisation der bestehenden Ausstellungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum, beispielsweise in leer stehenden Ladengeschäften. Diese Idee ist bereits aus dem von mir initiierten Künstlernetzwerk entstanden und ich habe sie an die Wirtschaftsförderung herangetragen und freue mich, dass diese als Partner der Kulturschaffenden die Koordination übernimmt. In der „Alten Apotheke“ in der Vorstadt werden in den nächsten Wochen die ersten Künstler ihre Arbeiten präsentieren.

Weitere Ideen sind regelmäßige Schaufenstergestaltungen oder ein Kunstkaufhaus in der Weihnachtszeit zur Innenstadtbelegung.

Als Bürgermeisterin möchte ich den Kulturschaffenden unter dem Begriff „Kultur braucht Raum“ neue Flächen anbieten, die attraktiv und bezahlbar sind. Ein Beispiel wäre die sanierte Stadthalle in der  Funktion eines Bürgerzentrums, das Künstlern dann grundsätzlich vielfältige Darstellungsmöglichkeiten bietet.

Mit mir regiert das Wir.

Unter dem Motto „Mit mir regiert das Wir“ möchte ich als Chefin der Stadtverwaltung Brücken bauen zwischen Wirtschaft und Kultur, zwischen Tradition und Moderne sowie zwischen Jung und Alt. LAURIDS am Klavier  war mit zwanzig Jahren der jüngste Anwesende und wünschte sich mehr Musikveranstaltungen für seine Generation im öffentlichen Raum. Meine Ideen für ein Straßenmusikfestival für junge Musiker, eine Jugend-Kultur-Bühne beim Brunnenfest oder mobile Jugendarbeit mit Musikevents stießen bei ihm auf große Zustimmung. Ein Klavier im öffentlichen Raum wie eine Graffitiwand können weitere Jugendangebote sein. Wichtig ist, die Nachwuchsförderung und Jugendkultur gemeinsam mit Jugendlichen zu entwickeln, damit sie akzeptiert wird.

Unter Einbeziehung der Bürger, Kulturschaffenden und Vereinen ist eine weitere Idee von mir ein Kulturwochende, abwechselnd in den Stadtteilen, mit Wein und Kunst, sowohl in den Galerien als auch in den Höfen, Ställen und Plätzen ähnlich dem Altstadt-Flohmarkt.

Aus dem Macondo-Publikum kam der Vorschlag, im Rushmoor-Park ein Format als Kunst im öffentlichen Raum zu initiieren, das dem Mauerpark in Berlin ähnelt: Ein Ort der Begegnung, an dem Musiker sich ausprobieren können, mit Open-Air-Karaoke, (Straßen-)Künstler malen, Sport stattfindet, ein Flohmarkt oder andere Aktivitäten zu einem spontanen Volksfest einladen.

Zum Ende der Veranstaltung habe ich noch einmal mein Verständnis zusammengefasst, wie ich die Rolle der Bürgermeisterin für die Oberurseler Kulturlandschaft verstehe. Es geht darum, einen Ermöglichungsraum zu schaffen, durch Räume und Infrastruktur, Vernetzung und Koordination. Die Verwaltung kann künstlerische und verbindende Prozesse starten, fördern und diese durch eine gemeinsame Werbung sichtbar machen. Allerdings immer ergebnisoffen, nicht wertend und respektvoll gegenüber der künstlerischen Freiheit.

Die erste „Macondo Talk“-Veranstaltung endete mit Musik von LAURIDS und den guten Wünschen des Publikums für meinen Wahlerfolg. Herzlichen Dank an Stefano Scarlatti, Willi Mulfinger und alle kulturbegeisterten Gäste!