Antje Runge nimmt mit Rouven Kötter Alternativen zum Radschnellweg in Augenschein

Bei der Planung zum Radschnellweg steht für mich jetzt vor allem die Routenplanung mit Bürgerbeteiligung an.

Der anstehende Bau des Radschnellweges FRM5, der durch Oberursel führen soll, ist aktuell ein intensiv diskutiertes Thema vor Ort. „Die Oberurselerinnen und Oberurseler freuen sich mehrheitlich auf das Projekt. Radfahren macht Spaß, ist gesund, schont das Klima und entlastet die anderen Verkehrsträger. Aber es gibt auch Sorgen, die mit dem Projekt verbunden werden, beispielsweise das Thema Flächenverbrauch und die Nutzungskonflikte mit weiteren Verkehrsteilnehmern“.

Aus diesem Grund war der Erste Beigeordnete und Mobilitätsdezernent des Regionalverbands FrankfurtRheinMain Rouven Kötter bei mir zu Besuch. Bei dem Termin habe ich auf das örtliche Konfliktpotenzial hingewiesen, damit auch Alternativstraßen mitbetrachtet werden. „Schön und gut, dass wir nun eine Machbarkeitsstudie haben. Jetzt kommt es darauf an, diese in die Tat umzusetzen – und zwar gemeinsam mit den künftigen Nutzern aber auch potenziellen Kritikern, wie der Landwirtschaft und Grundstückseigentümern.“ Kritische Punkte sind der Übergang von Bad Homburg kommend über die Bahnlinie zum Gewerbegebiet sowie der Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof. Die Enge in Höhe des Unternehmens Medidenta Schramm GmbH & Co. KG ist ebenfalls zu berücksichtigen. Die geplante Brückenlösung wird außerdem zu immensen Kosten führen und alternative Lösungen sollten in den Vordergrund rücken. Auch in Stierstadt gibt es Proteste, sowohl durch Anwohner als auch durch Landwirte wegen der Gefahrensituation aufgrund der konkurrierenden Nutzung.

Rouven Kötter, der die Planung und den Bau des Radschnellwegnetzes durch die Region verantwortet, ging auf die geäußerte Kritik ein: „Auf Machbarkeitsstudien kann man kein Rad fahren. Deshalb wollen wir nun zügig bauen. Natürlich kommt es dabei auch zu  Konfliktsituationen. Es soll einerseits keine unnötige Flächenversiegelung stattfinden, andererseits soll der vorhandene Verkehrsraum aber auch nicht zu Lasten anderer Verkehrsträger umgestaltet werden. Ich denke, es ist klar, dass wir bei solchen Projekten Kompromisse eingehen müssen, um am Ende einen Gewinn für alle erzielen zu können. Wir nehmen die geäußerten Sorgen und Bedenken ernst und werden sie bei der weiteren Ausführungsplanung berücksichtigen.“

Während die Diskussion im Bau- und Umweltausschuss wie in den Ortsbeiräten bereits begonnen hat, fordere ich nun ein transparentes Beteiligungsformat für alle Bürger im Rahmen der Vorentwurfsplanung. „Der Radschnellweg wird viele Pendler zum Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad bringen und ist ein wichtiger Baustein bei der Verkehrswende. Die Stärkung von ÖPNV, Fuß- und Radverkehr, weg vom motorisierten Individualverkehr, ist mein Ziel als Bürgermeisterin. Die öffentliche Akzeptanz geht mit Transparenz einher. Das geht nur im Zusammenschluss mit den Bürgerinnen und Bürgern, wie auch mit dem Regionalverband selbst. Ich freue mich, dass wir mit Rouven Kötter als zuständigen Ersten Beigeordneten einen offenen Ansprechpartner haben, der sich energisch für eine nachhaltige zukunftsorientierte Verkehrsentwicklung einsetzt. Hier kommt es auf eine gute Kooperation zwischen Oberursel und dem Regionalverband an.“

Ursprünglich wollte ich den Ortstermin in Form eines öffentlichen Spaziergangs oder einer Radtour anbieten, was aufgrund der Corona-Regelungen derzeit ausfallen muss. Ich hatte in meinem Wahlkampf bereits zahlreiche thematische Radtouren mit mehr als 100 Teilnehmenden angeboten, um gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern kommunalpolitische Fragestellungen zu diskutieren. „Die Pandemie darf nicht zu mangelnder Transparenz führen. Der digitale Austausch und regelmäßige Online-Updates zum Sachstand inklusive Kostentransparenz sind erforderlich, auch eine Bürgerversammlung zum Radschnellweg sollte online organisiert werden. Die nächsten Arbeitsschritte und die Form der Bürgerbeteiligung müssen von der Stadtverwaltung Oberursel klar definiert werden.“ Neben dem Radschnellweg geht es bei der Verbesserung der Radstruktur auch darum, dass die Stadt Oberursel die Lückenschlüsse zwischen den Radwegen innerhalb der Stadt schneller vorantreibt. Veranstaltungen wie der Fahrradtag oder Stadtradeln können als Werbeplattform in die Kommunikationsoffensive eingebunden werden.

Ich nutzte das Treffen mit Rouven Kötter auch zu einem allgemeinen Austausch zum Thema Mobilität. Kötter hat mit seinem Team beim Regionalverband eine „Mobilitätsstrategie“ für FrankfurtRheinMain erarbeitet. „Die Mobilität der Zukunft muss attraktiv, barrierefrei, emissionsarm und umfeldgerecht sein. Wir brauchen neue Angebote, wie Carsharing, Schnellbuslinien, digital buchbare Zusatzangebote wie den Hopper im Kreis Offenbach oder auch mehr und bessere Radwege und Mobilitätsstationen. Dafür haben wir konkrete Maßnahmen erarbeitet, die wir nun gemeinsam mit unseren Mitgliedskommunen und weiteren Partnern umsetzen wollen“, erläutert Kötter.

Ich möchte dieses Angebot des Regionalverbands gern aufnehmen: „Natürlich ist durch Corona einiges in einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die zunehmenden Möglichkeiten von Home-Office und Digitalisierung werden unseren Arbeits- und Mobilitätsalltag nachhaltig beeinflussen. Trotzdem wird die Mobilität eine der zentralen Herausforderungen sein, der wir uns stellen müssen. Es ist gut, wenn man dabei auf engagierte, fachkundige Partner zugreifen kann.“