22. November 2020 – Kreativität im Lockdown, Anstand mit Abstand

Wir alle sind mittendrin im aktuellen Lockdown und dieser hat selbstverständlich Auswirkungen auf unser tägliches Tun, auf unser Miteinander. Es ist nicht immer einfach, Einschränkungen zu akzeptieren, aber die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland und auch bei uns im Hochtaunuskreis zeigen eindeutig, dass Verzicht, dass vor allem gegenseitige Rücksichtnahme,  momentan unerlässlich sind. Hier in Oberursel teilen wir mit großer Mehrheit diese Auffassung, egal ob im Stadtparlament, im Bürgermeisterwahlkampf oder im privaten Alltag. Diese Solidarität ist wichtig – wir müssen klare Kante gegenüber denjenigen zeigen, die die Wissenschaft leugnen und die Gesundheit anderer gefährden.

Angesagt sind stattdessen Kreativität, frische Ideen und gegenseitiger Respekt, um auch unter Pandemie-Bedingungen miteinander ins Gespräch zu kommen, fair um gute Lösungen zu ringen und wo immer es angebracht ist, auch deutliche Zeichen gegen Intoleranz zu setzen. In Oberursel funktioniert das. Gezeigt hat sich dies beim stillen Gedenken am 9. November. Obwohl diesmal die Gedenkveranstaltung der Initiative Opferdenkmal e.V. ausfallen musste, wurden von Bürgerinnen und Bürgern zahlreiche Kerzen zur Erinnerung aufgestellt, auch von mir, denn die Mahnung hilft, die Demokratie zu verteidigen. Wie notwendig die Verteidigung der Demokratie und unserer Grundwerte ist, konnten wir alle in der zurückliegenden Woche im Bundestag sehen. Mit Fassungslosigkeit haben wohl die allermeisten Menschen mit angesehen, wie frei gewählte Abgeordnete vor der Abstimmung gegen das Infektionsgesetz unter Druck gesetzt werden sollten und dass einige es wagten, dieses Gesetz mit Hitlers Ermächtigungsgesetz zu vergleichen. Auf solch abscheuliche Erlebnisse reagiere ich mit einer Mischung aus Wut, Trotz, Zuversicht und vor allem mit Entschlossenheit. Ich bin froh, dass alle demokratischen Parteien im Bundestag und auch hier in Oberursel gemeinsam klar gegen Hass und Hetze einstehen. Das eint uns bei aller politischen Unterschiedlichkeit. Und das ist auch gut so und für mich nicht verhandelbar.

Mir ist sehr wohl bewusst, welche wirtschaftlichen Folgen die Pandemie und der jetzige Lockdown insbesondere für Gewerbetreibende, die Gastronomie, für die Wirtschaft insgesamt aber auch für Vereine hat. In zahlreichen Gesprächen erfahre ich von Sorgen und der persönlichen Betroffenheit. Ich hatte daher bereits vor einigen Wochen angeregt, die städtische Online-Plattform „Heimvorteil Oberursel“ zumindest perspektivisch zu einer echten Bestell- und Lieferplattform auszubauen, um so ein lokales Gegengewicht zu Amazon und Co zu schaffen. Um dabei einen Testlauf zu absolvieren, habe ich aktuell zudem vorgeschlagen, über dieses Online-Portal einen virtuellen Weihnachtsmarkt abzuhalten, bei dem die Beschicker des Oberurseler Weihnachtsmarktes – also vor allem Vereine und Privatpersonen – ihre Waren anbieten könnten. Online stöbern, fündig werden, bestellen und kaufen. Auch so verstehe ich Wahlkampf: neben Vorstellungen für die Zukunft auch ganz konkrete Lösungsvorschläge schon für das Hier und Jetzt anbieten. Das Feedback auf diese Idee zeigt, dass der Wunsch nach dynamischen Angeboten da ist. Für mich steht daher fest: An der weiteren Digitalisierung der Stadtverwaltung und dem weiteren Ausbau der bereits vorhandenen und guten städtischen Online-Plattform führt in Zukunft kein Weg vorbei, denn das ist einerseits ein Aspekt moderner Wirtschaftsförderung und andererseits pragmatischer Kundenservice.

Am vergangenen Freitag traf sich die SPD Oberursel zur Listenaufstellung für die Kommunalwahl, die am 14. März zeitgleich mit der Bürgermeisterwahl stattfindet. Es ist gelungen, ein sehr schlagkräftiges, ein buntes Team zusammenzustellen: von jung bis alt, Männer und Frauen im gleichberechtigten Miteinander, aus allen Stadtteilen, Mitglieder der SPD und Kandidaten ohne Parteibuch,  viele ehrenamtlich tätige Menschen aus ganz unterschiedlichen Vereinen, egal ob aus dem Sozialbereich, Fair Trade, der Feuerwehr oder aus Brauchtum kommend. Ich bin mega stolz, dass uns das gemeinsam gelungen ist und wir mit unserem Wahlprogramm zugleich Weichen für die Zukunft gestellt haben: sozial, gerecht, ökologisch – stark für Oberursel, weil wir hier zuhause sind. Die viele Zeit bei der Vorbereitung, die langen aber immer fairen Diskussionen, das gemeinsame Ringen um Formulierungen, das Einholen von Expertenmeinungen und die Entscheidungen zur Setzung von klaren Themenschwerpunkten haben sich gelohnt. Ich selbst habe bei der Listenwahl übrigens bewusst nicht auf den ersten drei Plätzen kandidiert, da ich mich zu allererst um das Amt der Bürgermeisterin bewerbe und mich dabei vor allem als überparteiliche Moderatorin für alle Bürgerinnen und Bürger verstehe. Dieser Ansatz ist nach meinem Verständnis nicht mit einer gleichzeitigen Kandidatur als Spitzenkandidatin einer Partei vereinbar.

In den kommenden Wochen möchte ich versuchen, über meine digitalen Formate hinaus auch wieder direkt mit den Menschen in Oberursel ins Gespräch zu kommen, denn ich vermisse diesen direkten Austausch sehr. Kürzlich habe ich zahlreiche Einzelgespräche in Bommersheim geführt und werde dies auch in den anderen Stadtteilen noch tun. Gern würde ich dabei wie bei meinem Spielplatzgesprächen in eine Diskussion kommen, um meine Vorstellungen zu interessierenden Themen darzulegen und Impulse aufzunehmen. Die hessischen Leitlinien zur Bekämpfung der Pandemie lassen Wahlstände von Parteien anlässlich der Kommunalwahlen ausdrücklich zu, aber auch hier gilt es für mich abzuwägen, was sinnvoll und verantwortungsbewusst ist. Klar ist für mich auf jeden Fall: die AHA-Regel – also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske – ist dabei unbedingt einzuhalten.

Und sonst? Gefreut habe ich mich, dass die Vereine Windrose und Kunstgriff jetzt gemeinsam regelmäßig ein virtuelles Gesprächsformat anbieten. Ein Stück Kultur, nach der wir uns alle sehnen. Und wie wichtig und intensiv auch virtuelle Formate sein können, hat kürzlich auch die Mitgliederversammlung des Vereins Kunstgriff e.V. gezeigt, bei der ich als aktives Mitglied selbstverständlich dabei war. Auch der Städtepartnerschaftsverein hält momentan vor allem virtuell Kontakt in die Partnerstädte von Oberursel und auch beim Sport der TSGO bin ich online dabei –  sicher gibt es noch viele andere, die man an dieser Stelle aufzählen könnte.

Wie bei vielen Arbeitnehmern wird es auch für mich zum Jahresende hin im Job immer stressiger. Eine strukturierte Zeiteinteilung und ein guter Spagat zwischen Arbeit, Wahlkampf und privater Entspannung werden dabei immer wichtiger. Ich gehe momentan gern spazieren, mit meiner Familie oder auch mit meiner besten Freundin, eine Maske habe ich immer dabei und auch auf Abstand wird geachtet. Am zurückliegenden Wochenende habe ich endlich wieder in meinem Bücherschrank gestöbert, zumindest einige Seiten eines neuen Krimis habe ich auch schon gelesen. Da will ich in den kommenden Tagen unbedingt dranbleiben. Hin und wieder, auch das muss mal sein, zappe ich spätabends auch einfach mal durch diverse Serien- oder Fernsehprogramme und bleibe dann meist aus zeitliche Flexibilität bei Netflix hängen. Und selbstverständlich telefoniere ich viel, beantworte Anfragen oder schaue persönlich vorbei, wenn sich Bürger oder Bürgerinnen mit Fragen oder Hinweisen an mich wenden. Also scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie Ideen, Impulse oder Anregungen zu Themen, die Sie und Oberursel bewegen, haben. Am besten sie schreiben mir eine Mail unter antjerunge21@nullgmail.com oder melden sich zu einem meiner Online-Termine an. Mein Motto „MIT MIR REGIERT DAS WIR.“ ist schließlich auch in Zeiten des Lockdowns nicht außer Kraft gesetzt. Im Gegenteil, ich freue mich auf Sie. Bleiben Sie gesund.

Herzlichst Ihre
Antje Runge