23. Dezember – Unterwegs in den Stadtteilen, von Frieden und Weihnachten

Antje Runge Meine Woche – Unterwegs in den Stadtteilen, von Frieden und Weihnachten

Es ist Weihnachten. Normalerweise hätte ich mich in den letzten Wochen mit Freunden auf dem Oberurseler Weihnachtsmarkt getroffen, Glühwein getrunken, Kartoffelpuffer gegessen und nach ungewöhnlichen Geschenkideen Ausschau gehalten. Wie in den letzten Jahren auch hätte ich beim Städtepartnerschaftsverein Heißgetränke, Wodka und Schmalzbrote verkauft. In diesem Jahr ist vieles anders und doch sollten wir manche Dinge nicht aus den Augen verlieren, gerade in diesem durch Corona geprägten Jahr nicht. Wir sollten nicht vergessen, dass gesellschaftliche Teilhabe kein Automatismus ist, sondern dass es auch bei uns Einsamkeit, Armut oder Menschen gibt, deren Weihnachtswünsche sehr bescheiden sind. Und wir sollten auch nicht vergessen, dass Frieden für uns inzwischen etwas Selbstverständliches ist, für viele Regionen der Erde aber nach wie vor nicht.

Ich bin froh, dass es in Oberursel zahlreiche Aktionen gibt, um andere zu unterstützen, um Gemeinsamkeit zu schaffen oder politisch Flagge zu zeigen – von digitalen Adventskalendern, über Wunschweihnachtsbäumen bis hin zur Veranstaltung „Feuerwerk für den Frieden“, die im Rahmen der bundesweiten Aktion „Abrüsten statt Aufrüsten – Für eine neue Entspannungspolitik“ 180 Oberurseler in den Rushmoor Park geführt hatte. Natürlich mit Abstand und Maske. Organisator war das überparteiliche Friedensbündnis Oberursel unter der Federführung des Vereins Kunstgriff e.V. Mit einem Menschen-Lichterkreis als sichtbares Peace-Zeichen, einem symbolischen Feuerwerk, dem Bekannten Gedicht „Sag Nein“ von Wolfgang Borchert und viel Musik von Händel bis hin zu John Lennon wurde gemeinsam auf geplante Ungleichgewichte im Bundeshaushalt aufmerksam gemacht.  Die Planungen sehen 1,2 Milliarden Euro mehr im Verteidigungsetat und 11 Prozent weniger für den Umweltschutz vor. Dagegen richtete sich die ungewöhnlichen Protestidee. Zugleich sprachen sich die Akteure auch für den Beitritt Oberursels zum ICAN Städteappell aus, der die weltweite Abschaffung von Atomwaffen fordert. In meiner Rede, die ich als Mitglied des Kunstgriffs und der Peace-AG gehalten habe, sprach ich mich zudem für eine starke Zivilgesellschaft aus, die zusammensteht und sich gegen Spaltung, Ausgrenzung und gegen einen rückwärtsgewandten neuen Nationalismus stark macht. Man mag über die Notwendigkeit des Feuerwerkes in diesem Rahmen streiten können (auch wenn es sehr klein gehalten war und mehr symbolischen Charakter hatte), nicht aber über die Aktion an sich. Für mich war es selbstverständlich, aktiv bei der Vorbereitung und Durchführung dieser überparteilichen Veranstaltung des breiten Friedensbündnisses als Vereinsmitglied des Kunstgriffs dabei zu sein. Persönliche Haltung und eine klare Positionierung zu gesellschaftlich relevanten Themen sind mir wichtig, immer und zu jeder Zeit, Wahlkampf hin oder her. Dazu gehört auch die Teilnahme an der Mahnwache anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Pariser Klimaabkommens.

In den vergangenen Wochen hatte ich einige Tage Urlaub. Meine Familie hat 800 Plätzchen gebacken, als kleine Überraschung. „Bepackt“ mit Plätzchentüten und einem Weihnachtsbrief habe ich die inhaber-geführten Geschäfte in der Innenstadt und in allen Stadtteilen überrascht. Die Nahversorgung in den Stadtteilen ist genauso wichtig wie in der Innenstadt. Es war mir daher ein Anliegen, mich persönlich vorzustellen und zu skizzieren, wofür ich mit meiner Kandidatur stehe und was ich für Oberursel erreichen möchte. Vor allem aber wollte ich erfahren, welche Sorgen, Nöte aber auch welche positiven Erfahrungen die Inhaber momentan machen. Die Offenheit in den Gesprächen hat mich sehr gefreut und es wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig der direkte Kontakt, das persönliche Gespräch ist. Das geht auch mit Abstand und Maske, auch wenn es sehr zeitintensiv ist. Vielen Dank für die zahlreichen Ideen, die Diskussionsbereitschaft und die große Offenheit bei meinen Überraschungsbesuchen.

Der neue Lockdown macht persönliche Gespräche vor Ort unmöglich. Umso mehr freue ich mich, dass viele Vereine mein Angebot zu einem Online-Gespräch angenommen haben. Ich möchte künftig von städtischer Seite thematische Beratungen für Ehrenamtliche zu Themen wie Steuerrecht, Datenschutz, Vertragsgestaltung, Versicherungen, IT-Infrastruktur, Fundraising oder Social Media-Arbeit anbieten. Neue gesetzliche Bestimmungen, die Einfluss auf die Vereinsarbeit haben, sollen möglichst so aufbereitet werden, dass Vereine diese dann schnell und unbürokratisch adaptieren können. Zudem möchte ich Vereinen verstärkt materielle Ressourcen, wie z.B. ausgewähltes Veranstaltungsequipment, durch die städtische Verwaltung auf Leihbasis zur Verfügung stellen, wie es heute beispielsweise bereits mit dem städtischen Kleinbus der Fall ist. In zahlreichen Vereinsgesprächen habe ich zudem erfahren, dass es einen Wunsch nach einem Geschirrmobil für Veranstaltungen gibt. Um den Austausch zwischen den Vereinen auch untereinander zu fördern und zu vereinfachen, würde ich mit städtischer Unterstützung einen digitalen „Vereinsmarktplatz“ etablieren.

Online habe ich auch ein Gespräch zur „Kommunalen Klimapolitik in der Praxis“ geführt.  Ich war beeindruckt von den unterschiedlichen Teilnehmenden und Initiativen. Die große Expertise hat dazu geführt, dass wir viele verschiedene Perspektiven und Engagements kennengelernt haben, wobei der Dialog in einem Zeitfenster von einer Stunde nur angestoßen werden konnte. Im Januar möchte ich erneut einladen, um zu Ihren konkreten Fragen an mich als Bürgermeisterkandidatin Stellung zu beziehen. Für mich hat das Gespräch gezeigt, dass Nachhaltigkeit alle Lebensbereiche betrifft, dass die Energiewende und der Klimaschutz vor Ort in Oberursel beginnen müssen und wie weit wir noch davon entfernt sind. Der Umbau zu einer klimaneutralen Kommune  muss alle Menschen mitnehmen und nachhaltiges Verhalten darf keine Frage des Einkommens sein. Der Stadt kommt dabei eine Vorreiter- und Vorbildfunktion zu. Aus dem Gespräch  möchte ich 3 Ziele formulieren, denn aus Impulsen sollte Konkretes entstehen. Als Bürgermeisterin

    1. verankere ich den Austausch und organisiere ein Netzwerk von Aktiven, Bürgern, Vereinen und Experten mit einem regelmäßigen Runden Tisch, um durch die Beteiligung eine zielgerichtete Umsetzung von Vorhaben zu erreichen.
    2. schaffe ich eine zentrale städtische Anlaufstelle, gerne gemeinsam mit den Stadtwerken, für Solarenergie mit dem Angebot eines Photovoltaik-Checks für Bürger und Unternehmen, einer Fördermittelberatung und der engen Zusammenarbeit mit Handwerkern.
    3. starte ich ein Programm für die Aufwertung von Grünflächen, Blühstreifen, Streuobstwiesen und Biotopen als Lebensraum für Tiere und den Erhalt der Artenvielfalt.

Die Aufzeichnung des Gesprächs finden Sie hier: Video Kommunale Klimapolitik in der Praxis

Was hat mich sonst noch bewegt, was ist mir aufgefallen? In den Sozialen Medien wird die virtuelle Distanz von einigen offenbar als eine Art Freifahrtschein für Entgleisungen verstanden. Wir alle sollten nicht vergessen, dass es zwischen einen Pro und Contra auch Zwischentöne oder Kompromisse geben darf und geben sollte, genauso wie ein Pro und Contra richtig und wichtig ist, wenn es sachlich angebracht wird. Ich bin sehr froh, dass es in der größten Oberurseler Facebook-Gruppe dem „Oberurseler Forum“ ehrenamtliche Administratoren gibt, die die Einhaltung von Regeln annahmen, diese durchsetzen und sich die Entscheidung dabei auch nicht immer leicht machen. Vielen Dank.

Sprechen Sie mich jederzeit an, wenn Sie Ideen, Impulse oder Anregungen zu Themen, die Sie und Oberursel bewegen, haben. Am besten sie schreiben mir eine Mail unter arunge.oberursel@nullgmail.com oder melden sich zu einem meiner Online-Termine an. Ich freue mich auf Sie, auf Ihre Fragen und den intensiven Austausch. Bleiben Sie gesund. FROHE WEIHNACHTEN!

Herzlichst Ihre
Antje Runge