25. März 2021 – Über Freude, weiter Gas geben und dem, was mich abseits des Wahlkampfes bewegt.

Meine Freude über das Erreichen der Stichwahl war und ist nach wie vor groß. Danke an alle, die mir am 14. März das Vertrauen geschenkt haben. Und Danke auch hier nochmals an alle, die mich in den zurückliegenden Wochen und Monaten unterstützt haben: Familie, Freunde, Bekannte und Unbekannte. Ob es im 1. Wahlgang ein überraschendes Ergebnis für die Bürgermeisterwahl in unserer Stadt war, mag jeder anders empfinden oder beurteilen. Ich denke, es war gut, dass die Bürgerinnen und Bürger eine wirkliche Wahl hatten, unterschiedliche programmatische Schwerpunkte und Politikstile der Kandidaten vergleichen konnten, auch wenn die persönlichen Kontakte seit November auf Einzelgespräche reduziert oder in die virtuelle Welt verlegt werden mussten. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Programmatik, dem persönlichen Stil oder den Schwerpunkten des jeweiligen Programms, habe ich den Wahlkampf zwar als hart in der Sache, aber doch überwiegend als fair empfunden. Abgesehen von einigen penetrant wiederholten Aussagen, die mein klares Nein zur Josefsstadt wieder und wieder in Frage gestellt haben. Derzeit werden die Bandagen härter und ich gehe davon aus, dass die Gefühle im Wahlkampf hochkochen und der Ton danach wieder sachlich wird. Ich denke, wir alle sehnen den Sonntag herbei und wir sollten fair und bei den Fakten bleiben.

Und jetzt heißt es noch einmal wenige Tage Vollgas geben, um am 28. März erfolgreich zu sein. Ich möchte als erste Bürgermeisterin Oberursels unsere Stadt modern weiterentwickeln, dabei Herz und Tradition bewahren und für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung sorgen. Nach einem kurzen Luftholen ging es gleich weiter mit parteipolitischen und persönlichen Analysen der Kommunalwahl, der Vorbereitung auf die Stichwahl, der Erneuerung von Plakaten, digitalen Bürgerdialogen, eine Teilnahme der Mahnwache von People for Future, der Besichtigung einer Photovoltaik-Anlage, Haustürbesuchen und Gesprächen „auf Distanz“. Hinzu kommen ungezählte Telefonate, Mails und zufällige Begegnungen. Mein Tag könnte momentan gern 48 Stunden haben, aber der große Zuspruch der Menschen, das viele positive Feedback, aber auch kritisch-konstruktive Nachfragen zu meinen Positionen und Ideen, lassen die immense Anstrengung und den Stress dieser Tage in den Hintergrund geraten, wobei ich mit Stresssituationen ohnehin gut umgehen kann. Klar, der Wahlkampf bewegt mich. Überwältigt war ich heute von der Unterstützeranzeige in den Print-Medien, deren Schaltung eine Überraschung sein sollte und sehr gelungen war.

Zeit für Privates bleibt momentan eher nicht, Zeit den Blick über den Tellerrand der eigenen Kandidatur zu richten, jedoch schon. Fast auf den Tag genau hat sich vor einem Jahr unser Alltag komplett verändert. Für die einen ging und geht es seitdem um die berufliche Existenz, für andere um den Rückfall in alte Rollenmuster und die herausfordernde Organisation des Familienlebens, für nicht wenige auch um Leben oder Tod, für viele Ältere, aber auch für Kinder, um das Gefühl des Alleinseins. Uns alle eint wohl die Hoffnung nach einem Stück mehr Normalität, auch wenn die steigenden Inzidenzen und die leider immer noch schleppenden Impffortschritte diese Hoffnung wieder ein stückweit dämpfen. Ohne Zweifel sind wir „Corona-müde“, umso wichtiger sind m.E. wirkliche und anhaltende Öffnungsperspektiven verbunden mit klaren Hygieneregeln für den Einzelhandel, die Gastronomie, für Kulturstätten, aber ganz genauso für Schulen und Altenheime, flankiert von Impfungen und klaren Teststrategien. Hier hat die Kommune Möglichkeiten über Landes- und Bundesvorgaben hinaus und sollte diese umsetzen. Ein Testzentrum ist wichtig und sollte nun angestoßen werden.

Sehr bewegt haben mich auch die aktuellen Proteste von Frauen in Großbritannien nach dem Mord an einer jungen Frau und die darauffolgende Polizeigewalt. Die Situation eskalierte, weil Hunderte in London trotz pandemiebedingten Verbots gegen die Gewalt von Männern demonstrierten. Der Fall hat zur Entrüstung im ganzen Land geführt. Die jetzt entstandene Protestbewegung #ReclaimTheseStreets nimmt die Trauer, aber auch die Wut einer ganzen Generation junger Frauen auf, die in den sozialen Medien Geschichten über sexuelle Gewalt und Belästigungen teilen. Warum bewegt mich das? Wenige Tage nach dem Weltfrauentag, in dessen Umfeld weltweit viel von Chancengleichheit und Gleichberechtigung die Rede war, bleibt festzuhalten, dass es keine guten Tage für Frauen in London, im Vereinigten Königreich oder woanders – für Frauen überhaupt sind. Nette Worte hin oder her, die Realität sieht leider oft anders aus. Gewalt – nicht nur gegen Frauen – blüht oft im Verborgenen, unsichtbar für die meisten, und ganz besonders jetzt in der Pandemie. Ja, es bewegt mich, als Bürgermeisterkandidatin und vor allem als Mensch. Ich stehe für die gleichberechtigte Teilhabe aller an der Gesellschaft, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter oder sexueller Orientierung und ich bin der festen Überzeugung, dass Anderssein nicht nur Respekt, sondern alltägliche Akzeptanz verdient. Da sind wir noch lange nicht am Ziel. Und wir sollten nicht nachlassen in den Bemühungen, Vielfalt als Chance zu begreifen und echte Gleichberechtigung zu schaffen.

Mittlerweile kennen Sie mich, meine Vorstellungen und meine Themenschwerpunkte schon recht gut. Wenn Sie mich im ersten Wahlgang noch nicht gewählt haben, so möchte ich Sie einladen, mich besser kennenzulernen. Am Freitag, 26. März um 18 Uhr biete ich noch einmal eine Online-Sprechstunde an. Melden Sie sich gerne an unter antjerunge21@nullgmail.com. Mein Motto „MIT MIR REGIERT DAS WIR.“ ist keine Momentaufnahme, sondern ein Versprechen auf die Zukunft. Am 28. März zählt’s. Packen wir es gemeinsam an, damit wir Dinge, die uns bewegen, auch umsetzen.

Herzlichst Ihre

Antje Runge