31. Januar – Spagat zwischen Beruf, Privatleben und Wahlkampf

Antje_Runge Termine Bürgermeisterin
(c) Daniel Falke Photography

Der Wahlkampf nimmt an Intensität zu. Aktuell werden die Wahlunterlagen versandt und die Briefwahl beginnt in Kürze. Die Wählerinnen und Wähler in Oberursel haben ab jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Wahl. Neben langen Listen zur Stadtverordnetenversammlung und zum Kreistag, ist in diesem Jahr bekanntlich auch die Liste zur Wahl des Bürgermeisters so lang wie noch nie. In Oberursels größtem, ehrenamtlich organisierten, Facebook-Forum und auch auf meinem Account, wurde kürzlich die Vielfalt der Kandidat*innen zur Kommunalwahl nach Alter und Geschlecht kritisch hinterfragt. Die Diskussionen dazu waren ganz überwiegend fair und sachlich. Leider ist das ist nicht immer der Fall, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten.

Für mich war diese Diskussion wie ein Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Strukturen, die wir weiter aufbrechen müssen. Es muss uns perspektivisch gemeinsam gelingen, dass sich die Vielfalt der Stadtgesellschaft, auch in der ehrenamtlichen, parlamentarischen Arbeit noch stärker widerspiegelt. Es gilt dabei parteiübergreifend kritisch zu hinterfragen, wie transparent und effektiv wir bei politischen Entscheidungsfindungen aktuell sind, wo und wie wir ggf. stringenter und zeitlich effektiver werden können und müssen, ohne inhaltlich an Substanz zu verlieren. So kann es ggf. gelingen, auch mehr junge Menschen mit Familie zu Kandidaturen zu bewegen.

Ich selbst war zwar immer gesellschaftlich aktiv, aber ein politisches Engagement wie jetzt, mit einem derartig hohen Zeitaufwand ist mir auch erst jetzt möglich. Und auch jetzt ist es nicht immer einfach, den Spagat zwischen zunehmender Wahlkampfaktivität, Berufstätigkeit in Vollzeit und Privatleben täglich so zu meistern, dass auch ich selbst zufrieden bin. Ich bin sicher, viele von Ihnen kennen das auch: man ist ständig beschäftigt und irgendwie ist das Ergebnis gefühlt dann doch geringer als erwartet. Mitunter zehrt das ganz schön an den Nerven und der Tag könnte aktuell gern mehr als 24 Stunden, die Woche mehr als 7 Tage haben, um alles unter einen Hut zu bringen. Mut macht mir dann jedesmal, dass meine Ideen für die künftige Entwicklung der Stadt parteiübergreifend geteilt werden und dass ich nach wie vor auch weitere, wertvolle Ideen und Impulse bei meinen digitalen Sprechstunden „Klartext Runge“ bekomme und aufnehmen kann.

Der Zeitfaktor ist selbstverständlich nur die eine Seite der Medaille. Vielfalt und Gleichberechtigung bedeuten für mich vor allem eine offene und tolerante Stadtgesellschaft, in der wir, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Religion oder Weltanschauung, frei von Diskriminierung, zusammenleben. Vielfalt im Alltag tatsächlich zu leben, ist für mich daher auch eine Aufgabe der Verwaltung. Dort wo Zugänge fehlen oder keine Gleichheit gegeben ist, kann eine Behörde helfen, Unterschiede abzubauen, zu beraten und zu informieren, denn Diversität ist für mich gleichbedeutend mit Stärke. Verschiedene Perspektiven und Hintergründe bringen uns voran, erfolgreiche Unternehmen aus der Privatwirtschaft zeigen das deutlich. Praktisches Handeln ist zwingend geboten.

Ein Feld ist und bleibt dabei die Förderung von Familien oder Lebenspartnerschaften mit Kindern. Es ist mir daher wichtig, endlich ausreichend Kita-Plätze in Tageseinrichtungen oder bei Tagesmüttern zu schaffen. Zudem gilt es über flexible, moderne Arbeitszeitmodelle auch in der Verwaltung und auf allen Entscheidungsebenen nicht nur nachzudenken, sondern diese auch einzuführen, damit hart erkämpfte Grundrechte der Gleichberechtigung nicht ins Gestrige zurückgedrängt werden. Zu meiner grundlegenden Haltung zur Gleichberechtigung und Vielfalt habe ich in den letzten Tagen – sicherlich angeregt durch die zuvor geführten öffentlichen Diskussionen dazu – viel Zuspruch erhalten. Das macht Mut und es hat sich gezeigt, dass diese Haltung nicht mehr nur Frauen-spezifisch ist.

Möglicherweise ist die Zeit jetzt auch reif, für eine Frau im Rathaus? Möglich. Ob eine Bürgermeisterin künftig unserer Stadt gut tut kann, werden die Oberurselerinnen und Oberurseler – also Sie – spätestens am 14. März entscheiden. Bis dahin können Sie mich Pandemie-bedingt zwar weiterhin leider nicht persönlich, aber gern digital treffen. Seit November biete ich unter „Klartext Runge“ regelmäßig digitale Sprechstunden an, jetzt wieder am 5. und 19. Februar sowie am 5. März, jeweils um 18:00 Uhr. Dazwischen gibt es weiterhin Online-Formate zu konkreten Sachthemen, die Sie, Oberursel und damit auch mich bewegen.

In diesem Rahmen hatte ich mich kürzlich mit dem Oberurseler Einzelhandel zu einem „Online Marktplatz“ ausgetauscht. Schnell war dabei klar: Gegen Amazon & Co zu bestehen, bedeutet, auch digital präsent zu sein. Dabei handelt es sich um eine langfristige Strategie, wobei anfangs auch ein kleiner Warenbestand zum digitalen Schaufensterbummel ausreicht. Viele Kunden entdecken heutzutage die Waren oder das Geschäft im Internet und kommen im zweiten Schritt persönlich vorbei. Einig waren sich die Teilnehmer auch darüber, dass das städtische Internetportal „Heimvorteil“ als Marke bereits gut eingeführt ist und weiter ausgebaut werden sollte. 300 Unternehmen und Vereine aus Oberursel sind darauf bereits jetzt präsent.

Den interkommunalen Austausch habe ich kürzlich zum Thema „Pflege als kommunale Aufgabe“ gesucht, denn der Umgang damit betrifft uns alle, genau wie das Älterwerden. Wir müssen die Pflegeinfrastruktur der demografischen Entwicklung anpassen: ambulant, teilstationär und vollstationär. Die Einrichtung einer Tagespflege, deren Umsetzung die SPD in Oberursel angestoßen hat, ist ein wichtiger Schritt dazu. Dabei stehen die Menschen im Mittelpunkt und nicht die Kommerzialisierung von Pflege. Die Kommune hat m.E. eine Fürsorgepflicht. Wichtig ist dabei die Beratung von Angehörigen, die Vernetzung und eine hohe Verwaltungskompetenz, wenn es bspw. um die Zusammenarbeit mit Pflegekassen geht. Für mich gehört das Thema „Pflege“ und damit verbunden auch die Ausbildung sowie die faire Bezahlung von Pflegekräften endlich in die Mitte der Gesellschaft, diskutiert und vor allem zukunftsfähig ausgerichtet auf allen Ebenen der Politik, vom Bund bis zu den Kommunen. Und das nicht nur in Wahlkampfzeiten, sondern endlich in den Jahren zwischen den Wahlen, damit sich wirklich etwas ändert. Wir alle möchten alt werden und dabei gesund und fit bleiben, aber nicht allen ist das vergönnt. Aber alle haben einen Anspruch auf einen würdigen Lebensabend. Ohne WENN und ABER. Sollten Sie Interesse an der gesamten, rund 60-minütigen Diskussion haben, so klicken Sie einfach hier: Video

Was mich weiterhin bewegt ist der Klimaschutz. Auch wenn wir aktuell mal wieder von Winter sprechen können, so ist die Klimakrise allgegenwärtig. Für mich ist klar, dass Kommunen beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen müssen. Ich bin überzeugt davon, dass wir Klimaschutz bei allen Themen mitdenken müssen, die bei der Stadtentwicklung, in der Wirtschaft oder in der Verwaltung auf der Tagesordnung stehen. Dieser Tage haben auch mich als Bürgermeisterkandidatin Fragebögen der Lokalen Klimainitiative Oberursel und von Fridays for Future des Hochtaunuskreises erreicht. Ich hatte mich vor allem mit Fridays for Future in den zurückliegenden Monaten bereits ausgetauscht. Wir Kommunalpolitiker sind gut beraten, genau hinzuhören, was die jungen Leute bewegt, denn hier engagiert sich unsere Zukunft.

Und sonst? Wofür war neben dem Wahlkampf und beruflicher Tätigkeit noch Zeit? Ich bin ein Jahr älter geworden 😊 Groß gefeiert werden konnte Corona-bedingt nicht, aber ich war mit meiner Familie zusammen. Es war einfach nur schön in kleiner Runde zusammenzusitzen, zu reden und Pläne zu machen. Hin und wieder mal abschalten vom Wahlkampfstress ist mein ganz persönlicher Kraftquell. Das Lesen kommt leider etwas zu kurz im Moment, aber die Livestream-Angebote der Oper Frankfurt bringen ab und an nicht nur ein digitales Stück Kultur ins Haus, sondern immer auch ein Stück Entspannung. Gespräche mit Freunden funktionieren auch digital, zudem sind Spaziergänge mit der Familie oder auch mit meiner besten Freundin nach wie vor möglich. Das zu Fuß gehen bei jedem Wetter, egal ob in der Stadt oder der angrenzenden Natur macht den Kopf frei und erdet ungemein. Das möchte ich nicht missen.

Missen möchte ich auch nicht, den Austausch mit Ihnen. Wenn Sie Zeit und Lust haben, sich gemeinsam mit Freunden oder mit Ihrer Hausgemeinschaft zu einem Zoom-Meeting mit mir zu verabreden, um meine Vorstellungen konkreter zu hinterfragen oder mich näher kennenzulernen, so schicken Sie doch einfach eine Mail an antjerunge21@nullgmail.com. Ich melde mich zeitnah und wir finden ganz bestimmt einen Termin. Und vorher bringe ich Ihnen gern kontaktlos einen Äppelwoi an die Haustür.

Herzlichst Ihre

Antje Runge