Antworten zum Fragenkatalog des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft Hochtaunus

Frage 1: „Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Oberursel dauerhaft zu sichern?“

Eine starke Wirtschaft ist für mich als Diplom-Kauffrau die Voraussetzung für eine ausge­wogene Finanzpolitik und Handlungsfähigkeit der Stadt Oberursel – und steht damit im Fokus. Aktuell geht es darum, die negativen Auswirkungen von Corona auf die verschiede­nen Wirtschaftszweige gemeinsam zu begrenzen.

    • Gewerbeflächen und Stadtentwicklung

Ziel muss es sein, die Bestände zu sichern und weitere Gewerbeflächen nachhaltig zu erschlie­ßen, um die Erweiterung und die Neuansiedlung von Unternehmen zu fördern. Dazu braucht es eine aktive Gestaltung eines effektiven Flächenmanagements im Rahmen einer Gesamtstrategie.

Die Besonderheit, dass in Oberursel sowohl Dienstleistungsunternehmen als auch produzierendes Gewerbe angesiedelt sind, möchte ich für einen stabilen Branchenmix weiter fördern. Hierbei sollte zugleich auf Klima- und Umweltverträglichkeit geachtet werden.

Ein neuer Gewerbepark für eine gemeinsame Infrastrukturnutzung, teilbare Lagerflächen oder flexible Büronutzungen kann gerade bei den explodierenden Bodenpreisen helfen, den Mittelstand in Oberursel zu halten oder junge Unternehmen mit Raum für Wachstum anzusiedeln und wettbewerbsfähig zu machen. Die Angebote könnten auch untereinander genutzt werden mit viel Service an einem Platz.

Grundsätzlich gilt für mich, dass in Innenstadtlagen das Wohnen, vor allem direkt am ÖPNV, Vorrang hat und großflächige Gewerbeansiedlungen im Außenbereich angesiedelt werden. Fallen jedoch bisherige innerstädtische Gewerbeansiedlungen durch Wohnungsbau weg, ist nach meiner Ansicht zwingend eine entsprechende Kompensation an anderer Stelle für das Gewerbe erforderlich.

Im Innenstadtbereich sollten Geschäfte des Einzelhandels vor allem im Erdgeschoss angesiedelt sein und eine Umwandlung von Geschäften in Wohnungen möglichst verhindert werden. Die Zentrumsstruktur der Innenstadt ist für Filialen und vor allem individuelle, überwiegend inhaber­geführte, Geschäfte, geeignet. Der innenstadtrelevante Einzelhandel lässt für mich Großmärkte nur als Einzelfallprüfung im Außenbereich zu.

    • Infrastruktur

Für die wirtschaftliche Entwicklung Oberursels ist es wichtig, die Infrastruktur der Stadt weiter auszubauen und zu verbessern. Dazu gehören auch die Sicherstellung einer guten Grundversor­gung mit Wasser, Strom und digitalen Netzen. Es  ist erforderlich, die Digitalisierung in der Verwaltung schnell voran zu treiben, damit die Kommunikation mit den Unternehmen und die Bearbeitung von Anträgen schneller und effektiver erfolgen können.

Oberursel ist mit seiner Nähe zum Flughafen und Autobahn sowie den Bahnanschlüssen mitten im Rhein-Main-Gebiet sehr gut zu erreichen. Die Infrastruktur der Region und die Lebensqualität vor Ort macht Oberursel auch für die Mitarbeiter von Unternehmen interessant. Oberursel profitiert von der Metropolregion und muss sich als Teil derselben begreifen. Für den Wirtschafts- und Pendlerverkehr gilt es, ebenfalls regional zu denken.

Von Bedeutung sind deshalb auch der Erhalt guter Verkehrsverbindungen und der  weitere Ausbau. Geschäfts- und Lieferverkehre müssen in Mobilitätskonzepten berücksichtigt werden. Der öffentliche Nahverkehr ist für eine gute Verkehrsanbindung von Arbeitnehmern, die im Umland wohnen und in Oberursel arbeiten, wichtig. Dazu gehören auch der Ausbau von Schnellradwegen und der Zugang zu Leihfahrzeugen an Haltestellen, um Pendlern den Weg zur Arbeit zu erleich­tern und umweltfreundlich zu gestalten.

Damit Menschen mit kleinen Kindern einer bezahlten Arbeit nachgehen können, müssen die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, insbesondere in den Kitas ausgebaut werden.

    • Gewerbesteuer

Damit die Gewerbeansiedlung in Oberursel als Wirtschaftsstandort für Unternehmen interessant ist, muss ein Zukunftsziel sein, dass die Gewerbesteuer sinkt. Dessen Bedeutung bin ich mir bewusst. Allerdings wäre es bei der derzeitigen Haushaltslage der Stadt Oberursel und den coronabedingten Ausfällen aus meiner Sicht unseriös, das zeitnah zu versprechen. Ich werde die Gratwanderung intensiv und sensibel begleiten und Steuersenkungs- wie Einsparpotenziale auf der Ausgabenseite kontinuierlich prüfen, damit ein zu hoher Hebesatz nicht die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Oberursel dauerhaft senkt und andererseits der Gesamtausgleich des kommunalen Haushaltes nicht gefährdet ist.

    • Support your Locals

Bei der Auftragsvergabe durch die Stadt Oberursel sollten im Rahmen der Ausschreibungsmög­lichkeiten örtliche und regionale Unternehmen besonders berücksichtigt werden. Bei der Festset­zung von Steuern ist die Situation der Unternehmen in der Zeit der Pandemie  zu berücksichtigen und Stundungen wohlwollend zu prüfen.

    • Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung in Oberursel ist sehr aktiv und sollte weiterhin gestärkt werden. Sie spie­gelt auf der einen Seite die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Oberursel nach außen. Auf der anderen Seite berät und vernetzt die Wirtschaftsförderung unsere Unternehmen, denn das Nutzen von Synergien ist ein Gewinn für Alle. Sie unterstützt die Schaffung von Arbeitsplätzen, fördert Existenzgründungen, begleitet den Weg der Digitalisierung, sichert und verbessert die Standort­bedingungen für Unternehmen und entwickelt neue Standorte.

 

Frage 2: „Was ist ein wesentliches Anliegen des Mittelstands, dem Sie sich als Bürgermeister widmen wollen?“

Als Bürgermeisterin möchte ich mich durch konkrete Zielvorgaben vorausschauend und verlässlich für die Wirtschaft einsetzen. Dazu braucht es ein klares Konzept mit räumlicher, quantitativer und qualitativer Steuerung mittel- und langfristig.

    • Mittelstandsfreundliche Verwaltung

Als Bürgermeisterin möchte ich die Prozesse in der Stadtverwaltung noch effizienter gestalten, um Behördenkontakte ohne unnötige Suchprozesse und mit der erforderlichen Unterstüt­zung durch die Verwaltung erledigen zu können. Dabei ist es für Unternehmen oftmals von besonderer Bedeutung, erforderliche Genehmigungen so schnell wie möglich zu erlangen und mehr Vorgänge digital abzubilden. Es sollte analysiert werden, welche Verfahren beschleunigt werden können und welche Investitionshindernisse es gibt.

    • Wohnbauentwicklung

Gewerbeansiedlung bedeutet auch eine Weiterentwicklung des Wohnbaus, damit die Unterneh­men im Wettbewerb qualifizierte Arbeitsplätze finden. Aus vielen Gesprächen mit der Wirtschaft weiß ich, dass darin momentan eine der größten Herausforderungen liegt. Dazu gehören vor allem auch die Errichtung bezahlbarer Wohnungen und die Unterstützung beim Bau von Mitar­beiterwohnungen.

Interkommunal sollten die Kommunen im Hochtaunuskreis zusammenarbeiten, um mehr Wohnbau zu realisieren.

    • Ausbildung und Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte

Bei den sogenannten weichen Faktoren (z. B. Bildungs- und Kulturangebot, Attraktivität der Stadt) sind wir in Oberursel gut aufgestellt und ich setze mich dafür mit meinen Schwerpunkten für ein „finanzstarkes, familienfreundliches, lebenswertes und kreatives Oberursel“ weiterhin ein.

Wichtig ist der Faktor Ausbildung. Die Zusammenarbeit von Schulen und Betrieben kann mit Hilfe der Verwaltung noch weiter ausgebildet werden, um junge Menschen frühzeitig an Berufsbilder heranzuführen. Gemeinsam können Angebote zur Berufsorientierung und ein Mentoring-Programm für alle Schulformen erarbeitet werden. Auch die Aktionsbündnisse mit  Kammern, Verbänden(wie bspw. dem BVMW) und Bildungsträgern möchte ich weiter ausbauen. Um mittel­fristig dem Mangel an Facharbeitern entgegenzuwirken, wird die Stadt Oberursel auch die Aus- und Weiterbildung von Migranten fördern müssen. Wirtschaftsförderung ist an dieser Stelle eine kommunale Querschnittsaufgabe zu den Bereichen Bildung und Integration.

 

Frage 3: „Bei welcher Herzensangelegenheit wünschen Sie sich die Unterstützung der mittelstän­dischen Wirtschaft vor Ort?“

Gerne möchte ich verstärkt die fachliche Expertise der mittelständischen Wirtschaft in die Standortentwicklung einbeziehen.

    • Dialog

Als Bürgermeisterin wünsche ich mir einen Dialog, um  Anliegen und Vorstellungen wie auch Perspektiven und Kompetenzen bei meiner Arbeit zu berücksichtigen. Dazu gehören natürlich auch die Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft, die hier für Arbeitsplätze sorgen und die Entwicklung von Oberursel als lebenswerte Stadt wesentlich mitgestalten können. Mein Motto lautet: „Mit mir regiert das WIR“.

    • Markenbildung

Nur gemeinsam können Stadtverwaltung und Wirtschaft, Oberursel als Marke für einen attraktiven Wirtschaftsstandort entwickeln und ziehen so neues Gewerbe an. Dazu gehören auch Fachforen und Netzwerkarbeit. Ein Wir-Gefühl stärkt die Identitätsbildung und auch weiche Faktoren tragen zur Standortentscheidung bei.

    • Aktivität und Innenstadtbelebung

Aktive Gewerbevereine und ihre Veranstaltungen (sowohl für die Mitglieder als auch Kundenevents) prägen die Kundenbindung.

Mir ist es wichtig, dass die Innenstadt von Oberursel und die Zentren der Stadtteile nicht veröden, sondern lebendig und für Unternehmen im Bereich des Handels, der Gastronomie und des Hand­werks und damit auch für alle Oberurseler attraktiv bleiben. Ich wünsche mir deshalb, dass die hier ansässigen Unternehmen ihre Läden, Gaststätten und Werkstätten beibehalten und erwei­tern, dass sich neue Geschäfte mit innovativen Ideen ansiedeln und so dazu beitragen, das Bild der Stadt positiv zu gestalten. Auch möchte ich mit Bürgern, Einzelhändlern, Verbänden und Hausbesitzern eine Gestaltungsfibel erarbeiten – der Erfolg hängt davon ab, dass alle an einem Strang ziehen.

    • Beteiligung am Stadtleben

Oberursel lebt von Menschen, die sich aktiv am Stadtleben beteiligen. Dazu gehören auch die Unternehmen, die oftmals Kultur und Soziales oder den Aufbau von Infrastruktur unterstützen und Verantwortung übernehmen.

Für unsere Freiwillige Feuerwehr ist es wichtig, dass Arbeitgeber die ehrenamtlichen Feuerwehr­leute für Einsätze freistellen.