Antworten zum Fragenkatalog des Eine-Welt-Verein Oberursel e.V. und Trägerverein des Weltladens Oberursel

  1. a) Ein wichtiger Bereich des Eine-Welt-Vereins Oberursel e.V. ist der Aufbau und die Pflege der Beziehungen zu Vereinen und BürgerInnen mit Partnerorganisationen in Afrika, Asien, Ost-Europa sowie Lateinamerika.

Unsere Frage: Was werden Sie tun, um dieses Engagement zu unterstützen? Können Sie sich eine Partnerschaft mit einer Stadt im Globalen Süden vorstellen?

Die Themen Gerechtigkeit und Solidarität sind die Triebfeder meines Engagements. Wir erleben gerade in der Pandemie, wie stark unser Alltag von der Globalisierung geprägt ist. Für mich steht außer Frage, dass wir den Anspruch haben müssen, die Globalisierung gerecht und solidarisch zu gestalten. Ein Teil der Antworten auf die Herausforderungen, wie beispielsweise den Klimawandel, liegt in den Kommunen. Also bei uns. Eine Partnerschaft mit einer Stadt im globalen Süden würde den Dialog stärken und aus einer abstrakten Betroffenheit eine sehr konkrete machen. Vielleicht können wir die guten Kontakte mit unserer französischen Partnerstadt Epinay sur Seine nutzen, um deren Erfahrungen mit Mewasseret Zion / Israel und Ramallah / Palästine zu erfahren.

Der Verein leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zu dem weltweiten Dialog.

  1. b) Ein weiterer Schwerpunkt unseres Vereins ist die Förderung des Fairen Handels (FH).

Der Faire Handel hilft seit vielen Jahrzehnten, die Armut in allen Formen und überall auf der Welt zu beseitigen und setzt sich für Nachhaltiges Wirtschaften ein. Dazu gehört besonders der Klimaschutz, der im Fairen Handel eine grundsätzliche Rolle spielt.
Oberursel ist seit 2012 Fairtrade Town mit einer städtischen Steuerungsgruppe.

Unsere Fragen: Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Fairen Handel in Oberursel zu unterstützen?

– ganz allgemein?

– im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesen?

– in der Unterstützung der Fairtrade Town Aktivitäten / der Arbeit der Steuerungsgruppe?

Oberursel trägt seit 2012 den Titel „Fairtrade-Stadt“. Das heißt, Oberursel fördert auf kommunaler Ebene den fairen Handel und setzt sich gemeinsam mit anderen Fairtrade-Städten für gerechte Preise und Löhne für Produzenten in den Ländern der „Einen Welt“ und für die partnerschaftliche Gestaltung der Handelsbeziehungen ein.

Als Bürgermeisterin würde ich selbst in der Steuerungsgruppe mitarbeiten. Hier zeigt sich, wie ich mir meine Arbeit grundsätzlich vorstelle: Zivilgesellschaft und Verwaltung arbeiten zusammen, denn mein Motto ist „Mit mir regiert das Wir.“. Gemeinsam sollten wir dann überlegen, wie unsere Stadtfeste vielleicht nachhaltiger werden können? Vielleicht können wir noch mehr Schulen (neben unseren beiden Fairtrade-Schulen) gewinnen? Die Kindertagesstätte Pfützenracker ist als „Faire Kita“ ausgezeichnet worden. Die Eltern waren an dem Prozess beteiligt – das ließe sich auf weitere Kitas und Bildungseinrichtungen übertragen. Was kann die Stadt machen, um die FaireWoche in andere Teile der Bevölkerung zu tragen, denn das Thema Handel sollte alle Menschen einschließen, unabhängig von Einkommen oder Herkunft?

Es ist ja relativ einfach, als Stadt FairTradeTown zu werden. Die Umstellung der Beschaffung nach sozial-ökologischen Kriterien umzustellen, ist ein Prozess. Für mich haben Kommunen Vorbildfunktion und können durch ihre Einkaufsvolumen Standards verändern. Diesen Prozess möchte ich steuern und verankern. Die Verwaltung zu sensibilisieren, mit der Wirtschaft vor Ort über deren Möglichkeiten zu sprechen, die Politik und Öffentlichkeit mitzunehmen ist nicht einfach, doch für mich gibt es keine Alternative dazu.

Es geht nicht nur darum faire Produkte zu kaufen, es geht um bewussten, verantwortungsvollen Konsum:  Bio.Regional.Fair. Hier stecken viele Chancen z.B. auch für Direktvermarkter in Oberursel drin. Dabei kann die Stadt Oberursel Einzelhandel und Gastronomie beraten bwz. anregen, das Angebot von fair gehandelten Produkten in Einzelhandel und Gastronomie zu erweitern. Das gilt auch für die Ernährung in Betreuungseinrichtungen.

  1. c) Eng mit dem Fairen Handel ist ein faires und transparentes Wirtschaftssystem verbunden, welches die Menschenrechte achtet. Viele Mitglieder des Eine-Welt-Vereins Oberursel setzten sich seit Jahren für ein Lieferkettengesetz ein.

Unsere Frage: Unterstützen Sie Aktivitäten zum Lieferkettengesetz?

Uneingeschränktes JA! Ich habe von einer Initiative von FairTradeTowns für das Lieferkettengesetz gehört. Als Bürgermeisterin werde ich mich sofort dem anschließen. Wir können viel vor Ort tun. Doch es liegt am Gesetzgeber, den Rahmen zu setzen. Es ist längst überfällig und sollte nun endlich umgesetzt werden.

  1. d) Immer mehr deutsche Kommunen setzen sich für eine globale nachhaltige Entwicklung zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (Agenda 2030) und damit auch für eine nachhaltige Entwicklung vor Ort ein.

Unsere Frage: Gibt es bereits Bestrebungen in Ihrer Partei sich in Oberursel für die Erarbeitung einer Kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie einzusetzen?

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) erweitern den Blick und die Perspektive, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Umweltthema ist. In den SDGs werden endlich auch die Kommunen in ihrer Wichtigkeit das erste Mal so richtig ernstgenommen.

Wenn wir an dem Programm Global nachhaltige Kommune der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt teilnehmen, was ich sehr begrüßen würde, hätte es für uns die Möglichkeit, die vielen Handlungsfelder, die alle für sich zwar irgendwo und irgendwie bearbeitet werden, zusammenzubringen. Wir zeigen, dass alle lokalen Entscheidungen eine globale Dimension haben.

Gemeinsam mit den Aktiven in  unserer Stadt eine Nachhaltigkeitsstrategie für unsere Stadt zu erarbeiten, würde dem Engagement jedes und jeder Einzelnen wertschätzen und verstärken.