Bürgermeisterwahl Oberursel 2021 -Wahlprüfsteine für die Bürgermeister-Kandidat*innen

  1. Öffentlich verantwortete Weiterbildung genießt einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung. 12.000 Bürger*innen nehmen die Bildungsangebote der vhs Hochtaunus wahr. 60 % der Angebote finden in Oberursel statt. Was kann/muss die Stadt Oberursel Ihrer Ansicht nach tun, um bestmögliche Rahmenbedingungen für öffentliche Weiterbildung zu garantieren? Wo könnten Sie im Falle Ihrer Wahl in den nächsten Jahren unterstützend wirken?

Weiterbildung zählt zu den Aufgaben der grundgesetzlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung und die Volkshochschule schafft die Voraussetzung als Weiterbildungseinrichtung für ein lebensbegleitendes Lernen, was auch im Hessischen Weiterbildungsgesetz verankert ist. Die Gesetzgebung steht für die hohe Bedeutung der VHS, die gemeinwohlorientiert, überparteilich und weltanschaulich sowie religiös neutral ist. Als Bürgermeisterin ist die Volkshochschule vor Ort für mich ein elementarer Bestandteil der Daseinsfürsorge und ich möchte sie bestmöglich unterstützen. Ich sehe die VHS als ein wichtiges Potenzial für Oberursel und möchte die Verantwortung verstärkt in Verwaltung und Politik tragen.

Da Bildungsgerechtigkeit die Voraussetzung für Teilhabe ist, freue ich mich über die Vielfalt der Angebote der VHS und dass so viele Menschen aus allen Bevölkerungs- und Altersgruppen darauf aufmerksam werden und an den Kursen teilnehmen. Als Stadtoberhaupt möchte ich mit der VHS kooperativ die Bildungslandschaft im lebendigen Austausch den Anforderungen in Oberursel dynamisch anpassen, im Sinne einer lernenden Stadt. Die Ausgestaltung möchte ich durch eine enge Vernetzung mit dem Trägerverein und den Nachbarkommunen, auf die sich das Angebot der VHS  Hochtaunus erstreckt, gestalten. Weiterhin sehe ich Kooperationsmöglichkeiten mit weiteren städtischen Einrichtungen, sowohl in der Zusammenarbeit, konzeptionell oder auch räumlich, um Zugänge für  neue Personengruppen zu schaffen. Auch die Kooperation mit Schulen, weiteren Kultur- und Bildungseinrichtungen, Betrieben, Institutionen, Vereinen und Initiativen kann durch ein Bildungsnetzwerk der Stadt unterstützt werden.

Damit die Stadt Oberursel ein verlässlicher Partner ist, geht eine Verpflichtung der Stadt einher, die VHS auch in Zeiten knapper Haushalte durch monetäre Mittel und Räume zu unterstützen.

Für mich ist es wichtig, dass der Sitz der Volkshochschule Hochtaunus als größte außerschulische Weiterbildungseinrichtung mit öffentlichem Auftrag in Oberursel verbleibt, um dieses niedrigschwellige und bezahlbare Angebot zu erhalten.

 

  1. Die vhs Hochtaunus verfügt trotz ihres breiten Bildungsangebotes nur in eingeschränktem Maße über eigene Räumlichkeiten. Viele Kurse finden in kommunalen oder privaten Räumen statt. Dürfen wir im Falle Ihrer Wahl darauf vertrauen, dass kommunale Räumlichkeiten auch künftig kostenfrei von der vhs Hochtaunus genutzt werden dürfen? Wo könnte die Stadt unterstützend wirken?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass die Angebote der Volkshochschule auch räumlich nah am Menschen sind und damit sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortsteilen oder Sozialräumen angeboten werden.  Deshalb ist eine kostenfreie Nutzung der VHS Hochtaunus von städtischen Räumen  sinnvoll. Weiterhin sollte in Kooperation mit dem Kreis ein festes Kontingent an Schulräumen zur Verfügung stehen, wo neben allgemeinen Kursen auch Elternbildung zu Erziehungsthemen und Berufsberatung stattfinden kann.

Durch gemeinsame Raumnutzungen können auch neue Treffpunkte als dritte Orte entstehen, die Bildungsangebote mit einer hohen Aufenthaltsqualität verbinden und Menschen nicht nur zur Kursteilnahme, sondern auch zum Austausch in einer ansprechenden Umgebung, einladen. Dazu gehören insbesondere städtische Bildungseinrichtungen wie die Stadtbücherei aber auch andere Akteure der Weiterbildung und des Arbeitsmarktes. Auf diese Weise kann auch eine höhere Qualität an Werkzeugen oder moderne technischen Ausrüstungen zur Verfügung stehen.

Das möchte ich vor allem bei zukünftigen kommunalen Entwicklungen von Raumprogrammen berücksichtigen, beispielsweise wenn es um die Stadthalle und das Rathaus geht. Ich halte nichts davon, Räume für öffentliche Nutzungen durch Investoren bauen zu lassen und dann zurück zu mieten. Die Stadt Oberursel sollte die Räume in eigener Hand behalten.

 

  1. Gerade angesichts der schwierigen räumlichen Situation ist die vhs Hochtaunus wegen eines Neubaus im Gespräch mit dem Hochtaunuskreis. Dieses Vorhaben ist im Schulentwicklungsplan 2019 verankert, birgt aber noch zahlreiche Unwägbarkeiten in sich. Wie stehen Sie zu diesem Bauvorhaben? Sind Sie im Falle Ihrer Wahl bereit, das Vorhaben umfassend zu unterstützen – beispielsweise durch zügige Verhandlungen mit dem Kreis über etwaige Grundstücke?

Die Volkshochschule braucht Verlässlichkeit, wozu zügige Verhandlungen mit festen Vereinbarungen zählen. Damit die VHS ein Ort der Begegnung sowohl für Alleinstehende als auch Gruppen, junge und alte Menschen, wie auch Menschen mit Migrationsgeschichte, ist, sollte mindestens ein Teil des Raumangebots im Herzen der Stadt angesiedelt sein. Eine wohnortnahe Versorgung umfasst für mich selbstverständlich auch Bildung. Das Areal der Feldbergschule wäre  für Neuplanungen prädestiniert.

Wenn es dagegen zu einem Schulcampus „Oberursel-Bleibiskopf“ kommt, wie im Schulentwicklungsplan vorgesehen, indem dort die beruflichen Schulen und die Volkshochschule angesiedelt werden, sind für mich weitere Räume der VHS als Dependance in der Innenstadt notwendig.

 

  1. Die vhs Hochtaunus sieht ihre Rolle als kommunales Weiterbildungszentrum seit jeher eng verknüpft mit den Themen und Bedarfen der Kommunen. Welche Rolle soll Ihrer Ansicht nach die vhs Hochtaunus nach einnehmen, wenn es um die Weiterentwicklung kommunaler Themenstellungen geht? Wo könnte die Volkshochschule als „Dienstleister“ Hilfestellung leisten? Wo sehen Sie Möglichkeiten der Kooperation?

In enger Kooperation können wir in Oberursel auf die Erfordernisse am Arbeitsmarkt durch Kursangebote und Bildungsmessen, wie auch auf allgemeinbildende oder soziale und politische Themen mit Angeboten reagieren. Für mich bietet die Volkshochschule ein Bürgerforum zu gesellschaftlichen Themen sowie ist sie ein interkultureller Lernort in unserer weltoffenen Stadt.

Ein sehr gelungenes Beispiel ist für mich das Oberurseler Stadtgespräch, was als Dialogveranstaltung verschiedene Themen wie Stadtgestaltung, Jugend oder Integration aufnimmt. Ich bedaure es sehr, dass der lebendige Austausch aufgrund von Covid 19 derzeit ruhen muss. Hier wird Bürgerbeteiligung initiiert und moderiert, die dann an die Stadtverwaltung herangetragen wird, um konkrete Aktionen zu kreieren. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass gemeinsam mit der VHS auch in Zukunft Politik, Verwaltung und Bürgerschaft kommunale Themen diskutieren, um diese zeitnah in einer geeigneten Form umzusetzen.

Das anstehende Thema im Stadtgespräch ist die Integration. Hier möchte ich anregen, inhaltlich und auch bei der Terminfindung sich mit den Integrationsmotoren unserer Stadt abzustimmen. Viele Menschen aller Herkunft nehmen an dem Kursangebot der VHS themenübergreifend teil und stoßen so auf die Programme zum Deutschlernen, zur Integration wie in der politischen Bildung zu demokratischen Grundwerten und den Prinzipien der Pluralität.

Ein Thema, was ich anregen möchte, ist „Politik inklusiv“. In einem Format könnten hiesige Politiker über ihre Aufgaben, politische Strukturen und Verwaltungsabläufe in einfacher Sprache niedrigschwellig informieren. Auf der anderen Seite könnten Interessensvertreter im Bereich Inklusion ihre Bedarfe artikulieren und mit der Politik oder auch Verwaltung verzahnen. So würden die Interessen von Menschen mit Behinderung besser berücksichtigt und sie selbst zu Beteiligung eingeladen. Ich würde mich auch über ein größeres inklusives Angebot freuen, da von einem gemeinsamen Erleben in einer unbeschwerten Atmosphäre alle Beteiligten profitieren. Dazu bieten sich in Oberursel zahlreiche Kooperationen mit Behinderteneinrichtungen an.

In Zusammenarbeit mit der VHS kann ein maßgeschneidertes Programm  für die Weiterbildung der städtischen Mitarbeitenden entstehen, ein wichtiger Baustein für die Personalentwicklung der Stadt. Dazu gehört auch ein betriebliches Gesundheitsmanagement bis hin zu einem Kursangebot in der Mittagspause.

Auch Angebote der städtischen Wirtschafts- oder Vereinsförderung können über die erfahrenen und gut qualifizierten Referenten der VHS abgebildet werden. Aus einer Vielzahl an Gesprächen mit ehrenamtlich Engagierten weiß ich, wie hoch der Bedarf an Wissen im Bereich rechtlicher Fragen und Kommunikation, dort insbesondere im Bereich der sozialen Medien, ist. Aktuell gibt es beispielsweise einen sehr großen Bedarf an Fortbildungen im Bereich mobiles Arbeiten und Digitalisierung. Alle suchen nach neuen Methoden und Veranstaltungsformaten, um die Gemeinschaft aufrecht zu erhalten.

Sehr positiv finde ich die Unterstützung im Bereich der Städtepartnerschaften, nicht nur durch Sprachlernangebote, sondern auch durch die begleitenden Veranstaltungen gerade im letzten Jahr gemeinsam mit dem Städtepartnerschaftsverein und der Europa Union.

In all diesen Bereichen möchte ich als Bürgermeisterin die Kooperation stärken und die Netzwerkarbeit unterstützen.

 

  1. Das Betreuungszentrum in der Grundschule Mitte befindet sich seit 2007 in Trägerschaft der Volkshochschule. Es ist gut etabliert und anerkannt in der Trägerlandschaft in Oberursel und darüber hinaus. Haben Sie vor, an dieser Struktur etwas zu verändern? Soll das Betreuungszentrum Ihrer Meinung weiter in vhs-Hand bleiben?

 

Ein klares: JA! Wir brauchen eine verbindliche Nachmittagsbetreuung von Schülern, für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Auch aus Sicht der Eltern ist das Angebot wichtig, damit Vater und Mutter sich gleichberechtigt entscheiden können, zu arbeiten – oder auch zur Entlastung von Alleinerziehenden –  und ihr Kind gut aufgehoben zu wissen. Das Betreuungszentrum ist immens wichtig für ein gesichertes Angebot, bei dem es in Oberursel noch zahlreiche Lücken, gerade beim Übergang von der Kita in die Schule gibt. Die Kooperation und Absprachen zwischen Kreis, VHS und der Stadt Oberursel müssen hier sehr eng sein.

 

  1. Oberursel hat sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Auch die vhs Hochtaunus beschäftigt sich seit geraumer Zeit damit. In welchen Bereichen könnte die Volkshochschule unterstützend wirken?

Zum globalen Lernen gehört für mich auf jeden Fall die Umweltbildung.

Die Volkshochschule könnte Oberursel als „Fair Town“ unterstützen, indem sie das Thema in der  Zivilgesellschaft mit verankert und hilft, die Akteure zu vernetzen, bspw. durch einen „Markt der Möglichkeiten“ oder eine „Fair Trade Night“ wie in Köln.

Auch könnte es noch mehr Vorträge und Workshops über ganz unterschiedliche Aspekte des Klimawandels geben: global wie kommunal.  Wie können Bürger Energie sparen und ihren Alltag nachhaltig gestalten? Wie können Sie ihr Haus für veränderte klimatische Bedingungen rüsten, bspw. durch Solaranlagen oder ein Brauchwassersystem? In Kooperation mit Umweltinitiaitven wie der LOK oder FFF lassen sich gemeinsame Aktionen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft für Oberursel entwickeln.

Mich würde interessieren, ob die VHS sich selbst als Organisation zum Thema Nachhaltigkeit überprüft hat, beispielsweise zum Thema  Energiesparen oder papierlosem Arbeiten? Die Mitarbeitenden sind ja gerade in einer Bildungseinrichtung wichtige Multiplikatoren.

 

  1. Das Stadttheater Oberursel in Trägerschaft der Volkshochschule bzw. ihres Trägervereins ist ein seit 1946 existierendes und erfolgreiches Theaterformat. Es kämpft jedoch – trotz guter Nachfrage – seit Jahren mit einem Defizit. Welche Bedeutung hat Ihrer Ansicht nach das Stadttheater? Sind Sie im Falle Ihrer Wahl bereit, über eine Erhöhung des städtischen Zuschusses nachzudenken?

Kultur ist für mich der Kitt der Gesellschaft und die Teilhabe sollte allen Oberurselern offen stehen. Obwohl bei den Aufführungen vom Stadttheater ausschließlich professionelle Schauspieler auf der Bühne stehen, handelt es sich um ein niedrigschwelliges Kulturangebot. Ich freue mich in diesem Zusammenhang, dass das Stadttheater regelmäßig dem Verein Kulturleben Hochtaunus, Karten für Bedürftige zur Verfügung stellt.

Gerne unterstütze ich dabei, weitere Zielgruppen und Abonnenten zu erschließen. Es ist nachgewiesen, dass Kinder und Jugendliche auch im Erwachsenenalter regelmäßig ein Theater besuchen, wenn sie dieses schon in ihrem Bildungsalltag als Schüler erlebt haben. Neben Theaterbesuchen können sie durch Theaterworkshops für das Darstellende Spiel begeistert werden, so dass die Theaterarbeit der VHS als Ganzes betrachtet werden sollte. Dabei müssen Programm und Publikum zusammen passen und vielfältig sein. Hier gibt es vielleicht noch Stellschrauben, auch wenn das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Das Stadttheater hat für mich einen klaren Bildungsauftrag und ich stehe einer Erhöhung des Zuschusses grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings wird es ohne Sponsoren wohl auch in Zukunft nicht gehen, um die kulturelle Infrastruktur der Kommune breitgefächert aufrecht zu erhalten. Da die Volkshochschule auch für weitere Kommunen außer Oberursel tätig ist, wäre zu prüfen, wie wir interkommunal das Stadttheater auf mehreren Schultern stemmen und sichtbar machen können.