Ehrenamt in Vereinen braucht Förderung und Unterstützung

Anlässlich des „Internationalen Tages des Ehrenamtes“ am 5. Dezember habe ich meine Vorstellungen zur künftigen Förderung der Vereinsarbeit vorgestellt. Eine lebendige Stadtgesellschaft braucht Bürgerengagement und unsere vielfältigen Vereine mit sehr starkem Engagement tragen zur Teilhabe und dem sozialen Leben in Oberursel bei. Ehrenamtliche löschen Feuer, unterstützen Alte und Kranke, helfen im Sportverein und bei der Integration von Flüchtlingen, organisieren die Städtepartnerschaft, bereichern das Kulturleben. Ehrenamtliche sind das Herz von unseren Festen und prägen den Zusammenhalt von jung bis alt.  Diesen Menschen gilt meine besondere Wertschätzung, nicht nur am Tag des Ehrenamtes.

Eine bessere Vernetzung bei knapper werdenden Haushaltsmitteln ist das Gebot der Stunde, um die Vielfalt in der Vereinslandschaft zu erhalten. Die Stadtverwaltung soll dabei künftig noch stärker als bisher eine moderierende Rolle einnehmen. Mir ist es wichtig, zielgerichtete Unterstützung anzubieten. Große Sportvereine mit Nachwuchsabteilungen und/oder Brauchtumsvereine mit eigenen Vereinsheimen haben meist einen anderen Unterstützungsbedarf als Vereine, die über nur wenige Mitglieder verfügen und sich einem konkreten gesellschaftspolitischen oder kulturellen Thema widmen. Diese unterschiedlichen Interessen und vor allem auch Ressourcen gilt es bei der Förderung und beim Aufbau eines Netzwerkes zu berücksichtigen.

Als Bürgermeisterin möchte ich von städtischer Seite thematische Beratungen für Ehrenamtliche zu Themen wie Steuerrecht, Datenschutz, Vertragsgestaltung, Versicherungen, IT-Infrastruktur, Fundraising oder Social Media-Arbeit anbieten. Neue gesetzliche Bestimmungen, die Einfluss auf die Vereinsarbeit haben, sollen möglichst so aufbereitet werden, dass Vereine diese dann schnell und unbürokratisch adaptieren können. Auch kann die städtische Verwaltung verstärkt materielle Ressourcen, wie z.B. ausgewähltes Veranstaltungsequipment auf Leihbasis zur Verfügung stellen, wie es heute beispielsweise bereits mit dem städtischen Kleinbus der Fall ist. Außer Technik, so habe ich es in zahlreichen Vereinsgesprächen erfahren, gibt es beispielsweise den Wunsch nach einem Geschirrmobil für Veranstaltungen. Zudem möchte ich im Rahmen der Digitalisierung der Verwaltung einen „Vereinsmarktplatz“ etablieren, um den Austausch zwischen den Vereinen auch untereinander zu fördern und zu vereinfachen.

Aktuell sind vor allem gebündelte Informationen zu coronabedingten Hilfestellungen notwendig, die auf der städtischen Webseite einfach zu finden sein sollten: Welche Soforthilfemaßnahmen gibt es, wie sehen die Schließungsvorschriften aus, welche Alternativen gibt es bei Veranstaltungsformaten? Viele Vereine, gerade mit einer älteren Mitgliederstruktur, wünschen sich eine Schulung zum digitalen Austausch wie beispielsweise virtuelle Mitgliederversammlungen. Derzeit erleben viele Vereine einen Mitgliederrückgang, da es keine Angebote gibt und wenig Kontakt stattfindet. Das, wie auch ausfallende Veranstaltungen, führen zu einem finanziellen Defizit und einer Gefährdung der zukünftigen Arbeit.

Die fehlenden sozialen Kontakte im Alltag und auch der mangelnde sportliche Ausgleich erhöhen den psychischen Druck in allen Altersgruppen enorm. Gerade die Sportvereine bieten mit ihrem Sport- und Bewegungsangebot und etablierten Hygienekonzepten eine funktionierende Alternative. Der Sport kann hier Verantwortung übernehmen und einen Beitrag leisten. Es muss jetzt und auch künftig allen Menschen möglich sein, Angebote in Vereinen wahrzunehmen, wozu es eine strukturierte Hilfestellung braucht.

Vor allem steht das Thema Raum auf meiner Agenda, denn die hohen Mietkosten in Oberursel machen es häufig schwierig, Platz als Lagerfläche für Vereinsmaterial zu finden. Hier können gemeinsame Raumnutzungen, die durch die Stadt zur Verfügung gestellt werden, nutzen. Wenn ein Verein Räumlichkeiten für seine Vereinsarbeit und Veranstaltungen benötigt, sollten diese bezahlbar sein. Die hohe Miete der Stadthalle führt häufig dazu, dass gerade kleine Vereine sie nicht bezahlen können und ausweichen. Damit die Stadthalle ein Haus für alle Bürgerinnen und Bürger ist, sollten Vereine bei der geplanten Sanierung und Neuausrichtung im Vorfeld eingebunden werden.

Besonders wichtig sind mir zudem der Ausbau und Erhalt der Sportinfrastruktur – denn Vereine brauchen Räume und Sportler Plätze. Für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit und Entwicklung von Talenten müssen die Vereine eingebunden und neue Formen von Sportarten und -geräten berücksichtigt werden. Bei notwendigen Haushaltsberatungen oder -änderungen sind die Vereine rechtzeitig einzubinden.

Ich möchte das Ehrenamt stärken und von bürokratischen Hindernissen befreien.