Turbulent und bereichernd – 23. August 2020

 

Antje Runges Woche als Bürgermeisterkandidatin für Oberursel mit Fahrrad

 

Schon wieder ist es Sonntag und ich frage mich ernsthaft: wo sind die vergangenen 14 Tage geblieben? Sicherlich liegt es daran, dass es politisch gesehen in den zurückliegenden zwei Wochen etwas turbulent, zugleich aber auch unglaublich bereichernd zuging. Die Diskussionen und damit auch das politische Ringen um die besten Ideen, die besten Lösungen zu Themen, die die Bürgerinnen und Bürger bewegen, haben zugenommen und das ist auch gut zu.

Ich halte allerdings wenig davon, Dinge unumkehrbar zu zementieren, wenn gerade eine ergebnisoffene Diskussion ausgelöst wurde und diese mit viel Leidenschaft, Sachverstand und kreativen Ideen stattfindet, wie aktuell um den Standort für den Oberurseler Verbrauchermarkt.  Daher hatte ich selbstverständlich meinem ersten Bürgerdialog unter dem Format „ANTJE RUNGE – ANSPRECHBAR“ zum Thema „Wochenmarkt“ entgegengefiebert, denn bereits seit Mitte Juli bin ich dazu mit Gewerbetreibenden, Gastronomen, Anwohnern, Marktbeschickern und Einkäufern im Gespräch. Es geht mir dabei nicht nur um das Pro und Contra für den Standort Epinayplatz oder historischer Marktplatz, sondern vielmehr um ein Gesamtkonzept zur Belebung der Innenstadt. Es war sehr bereichernd für mich zu erfahren, dass viele Bürger dies ähnlich sehen, eine ergebnisoffene Betrachtung und Konzeptentwicklung befürworten und die Bürgerbeteiligung gerade in dieser Frage nicht missen möchten.

Auch beim zweiten Dialog in Form einer Radtour „ANTJE RUNGE ANSPRECHBAR – Außengastronomie in Oberursel“ kam immer wieder der Wunsch nach mehr Einbeziehung und nach einer Abkehr von punktuellen Betrachtungen auf. Konzepte für eine Flächenbelebung, wie auch Feste oder der Flohmarkt, sollten daher prinzipiell auch auf die Adenauerallee und den Bahnhofsplatz ausgedehnt werden. Die gesamte Innenstadt perspektivisch so zu beleben, dass spazieren, bummeln, einkaufen, genießen oder Freunde treffen für jede Altersgruppe Spaß machen, wird meines Erachtens eine der Herausforderungen der kommenden Jahre. Gerade das „Man kennt sich, man trifft sich“ macht Oberursel lebens- und liebenswert und gerade dadurch unterscheiden wir uns durchaus von unseren Nachbargemeinden. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Eine starke Wirtschaft, solide Finanzen, Themen wie Mobilität, bezahlbares Wohnen und ökologische Herausforderungen sind nicht weniger wichtig oder gar ad acta gelegt. Aber für mich als Kandidatin ist es immer wieder wichtig, möglichst viele dieser „großen Themen“ konkret auf Oberursel herunterzubrechen, damit sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Für mich ist das eine Frage des offenen und ehrlichen Umgangs miteinander.

Die Gastronomen, die wir am Samstag besucht haben, blicken vor dem Hintergrund aktuell wieder steigender Corona-Zahlen sehr sorgenvoll in Richtung Herbst und machen sich Gedanken, ob und wie weiterhin eine Form von Außengastronomie angeboten werden kann. Alle haben mich in diesem Rahmen auch auf meinen Vorschlag zur Durchführung des Weihnachtsmarktes in Oberursel angesprochen und darin bekräftigt, Ideen zu entwickeln, um diesen auch in Corona-Zeiten stattfinden zu lassen. Wenn ich sehe, wie verantwortungsbewusst die übergroße Mehrheit der Orscheler beispielsweise auf dem Wochenmarkt oder in den Bussen mit der Maskenpflicht umgeht, sollte es durchaus möglich sein, auch einen attraktiven Weihnachtsmarkt unter den besonderen Corona-Bedingungen zu entwickeln. Die Standorte auszuweiten und Oberursel gewissermaßen zur „Weihnachtsstadt“ werden zu lassen, könnte ein möglicher Weg sein. Ich halte dies sowohl mit Blick auf Gastronomen, lokalen Produzenten mit Waren „Made in Oberursel“, Schausteller oder Kleinkünstler, aber auch in Hinblick auf Vereine für wirtschaftlich geboten. Und daneben, so glaube ich, sollten wir auch die emotionale Schiene nicht unterschätzen, denn Weihnachtsmärkte sind durchaus auch ein Kraftquell in der eher dunklen Jahreszeit – gerade nach diesem von Corona geprägtem Jahr 2020.

Noch bevor die Schule wieder losging hatte die junge Generation von „Fridays for future“ eine Fahrraddemo in Oberursel organisiert und bei zum Teil strömenden Regen allen Politikern noch einmal deutlich ins Stammbuch geschrieben, sich u.a. für eine Verkehrswende stark zu machen. Jetzt und sofort, ohne Wenn und Aber. Ist diese Ungeduld gut? Sind die Forderungen umsetzbar? Wenn ich mich zurückerinnere, war ich selbst mit ca. 17 derartig ungeduldig und ich bin überzeugt, wir alle sind gut beraten, ganz genau hinzuhören und den Austausch zu suchen. Ich habe mich daher gefreut, dass mein Angebot zu einem längeren und vertiefenden Gespräch von den Jugendlichen angenommen wurde, denn es ist für mich wichtig zu erfahren, welche Vorschläge die Aktivisten konkret haben, die auf kommunaler Ebene umgesetzt werden können.

Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen in der Rubrik „Termine“ den ursprünglich für den 20. August angekündigten Online-Termin zur Fragestunde mit mir vermisst. Das liegt daran, dass das Oberurseler Forum, eine Facebook-Gruppe mit rund 7.500 Teilnehmern für den 28. August, 21 Uhr zu einem Online-Gespräch eingeladen hat. Ich hoffe, dass die meisten von Ihnen dann dort dabei sein können. Hier auf meiner Website werde ich aber auf alle Fälle im Nachgang darüber berichten und in geeigneter Weise die Fragen und meine Antworten darauf bereitstellen.

Wie immer zu guter Letzt noch ein Blick in die Rubrik „Was sonst noch passierte“ 😊, was mich sonst noch bewegte. Ein mögliches Begegnungszentrum im Herzen der Stadt in den ehemaligen Verkaufsräumen der Familie Alberti hat konkrete Gestalt angenommen und wird hoffentlich in Kürze von den Stadtverordneten auch grundsätzlich verabschiedet. Die sozialen Initiativen und Themen, die dort vertreten sein werden, gehören sichtbar ins Herz unserer Stadt. Ich könnte mir dort – wenn irgendwie möglich – noch zusätzlich einen ständigen Verkauf von Waren „Made in Oberursel“ sowie touristische Informationen zu Oberursel vorstellen. Von Honig, Gin, Äppelwoi, Schnäpsen über Wurstwaren, eigene Kaffeemischungen bis hin zu Spielzeug oder Haushaltswaren aus Holz der Werkstätten des IB wird in unserer Stadt so einiges produziert, was zwar auch jetzt bereits erhältlich ist, aber nie kompakt an einem Ort. Für mich hätte eine Konzentration durchaus Charme, vorausgesetzt, die Produzenten finden und die „Hausgemeinschaft im Alberti“ finden die Idee gut.

Endlich war in den zurückliegenden Tagen mal wieder Zeit und Gelegenheit ein klassisches Konzert zu besuchen. „Klassik unter Sternen“ fand Corona-bedingt bekanntlich unter dem Sternenhimmel der Stadthalle statt. Eine gute Idee des KSfO aus einem geplanten Konzert, gleich drei Veranstaltungen zu machen und dabei mit einer Nachmittagsveranstaltung vor allem auch Senioren und Seniorinnen anzusprechen. Ich muss zugeben, klassische Konzerterlebnisse fehlen mir wirklich. Musik zu Hause, laut und unter Kopfhörern ist zwar auch schön, aber eben doch kein adäquater Ersatz. Es ist m.E. wichtig, die jetzt gemachten Erfahrungen aus dem Orscheler Sommer und den Veranstaltungen des KSfO, der VHS und anderer Anbietern zu bündeln, um gemeinsam einen „Oberurseler Kulturwinter“ zu etablieren.

Soweit ein Rückblick auf das, was mich neben der beruflichen Tätigkeit in den vergangenen 14 Tagen u.a. beschäftigt hat. Haben Sie Ideen, Impulse oder Anregungen zu Themen, die Sie und Oberursel bewegen? Dann schreiben Sie mir gern oder sprechen Sie mich bei einem der nächsten öffentlichen Termine gern auch an.

Herzlichst Ihre
Antje Runge